Waldsiedlung Zehlendorf wird 55. Unesco-Welterbestätte in Deutschland
Waldsiedlung Zehlendorf ist 55. Unesco-Welterbe

Unesco-Welterbekomitee tagt in Busan

Auf seiner Sitzung im südkoreanischen Busan hat das Unesco-Welterbekomitee zahlreiche Stätten in die Liste des Kultur- und Naturerbes der Menschheit aufgenommen. Darunter befindet sich auch die Waldsiedlung Zehlendorf im Berliner Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Mit diesem Eintrag wächst die Zahl der deutschen Welterbestätten auf 55.

Die Präsidentin der deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, würdigte die Entscheidung am Sonntag. Die Aufnahme zeige, wie „visionär diese Wohnkonzepte vor hundert Jahren waren“, erklärte sie. Die Waldsiedlung Zehlendorf ist Teil der Siedlungen der Berliner Moderne, die bereits seit 2008 als herausragende Beispiele für modernen Wohnungsbau zum Welterbe gehören. Laut Böhmer zeigen sie „bis heute, worauf es bei gutem, bezahlbarem und gesundem Wohnen ankommt“.

Ein farbenfrohes Viertel mit Geschichte

Die Waldsiedlung Zehlendorf, von Berlinern auch „Papageiensiedlung“ genannt, umfasst rund 1100 Mehrfamilienhäuser und verschiedene Einfamilienhäuser. Sie entstand zwischen 1926 und 1932 unter der Planung bedeutender Architekten wie Bruno Taut in der Nähe des U-Bahnhofs Onkel Toms Hütte. Charakteristisch sind die farbenfrohen Fassaden: Ostseiten in Gelb und Grün, Westseiten in Braun und Bordeauxrot.

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Zu den weiteren Siedlungen der Berliner Moderne gehören die Gartenstadt Falkenberg, die Hufeisensiedlung, die Wohnstadt Carl Legien und die Großsiedlung Siemensstadt. Die deutschen Unesco-Experten betonen, dass diese zwischen 1913 und 1934 realisierten Projekte eine „Antwort auf Wohnungsnot, soziale Herausforderungen und unzureichende hygienische Bedingungen in der schnell wachsenden Stadt jener Zeit“ waren.

D-Day-Strände als bedeutendes Zeugnis der Geschichte

Ebenfalls in die Welterbeliste aufgenommen wurden die Landungsstrände der Alliierten in der Normandie. Die Strände erstrecken sich über etwa 80 Kilometer entlang der Küste der französischen Départements Manche und Calvados. Sie waren am 6. Juni 1944, dem sogenannten D-Day, Schauplatz der entscheidenden Invasion zur Befreiung Westeuropas vom Nationalsozialismus. Eine Vertreterin des Internationalen Rates für Denkmalpflege, der die Unesco berät, erklärte, die Stätten „erinnern symbolisch an die enormen menschlichen Opfer, die gebracht wurden, um eine in Europa herrschende, autoritäre Besatzungsmacht zu stürzen“. Bekannt sind die fünf Strände unter den Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword.

Weitere Neuaufnahmen aus aller Welt

Das Welterbekomitee entschied auch über mehrere andere Stätten. Mehrere Festungen des Languedoc im Süden Frankreichs, die als Katharerburgen bekannt sind, erhielten den Status. Die Boma-Badingilo-Savannen im Südsudan wurden als Weltnaturerbe eingetragen – gleichzeitig aber als gefährdet eingestuft. Es ist der erste Welterbe-Eintrag für den Südsudan.

Thailand kann sich über die Aufnahme des buddhistischen Tempels Wat Phra Mahathat Woramahawihan freuen. Der Tempel im Süden des Landes fungiert laut Unesco seit dem achten Jahrhundert als bedeutendes regionales buddhistisches Zentrum. Auf dem Gelände befinden sich mehrere Buddha-Statuen, darunter ein riesiger liegender Buddha, der bei Touristen beliebt ist. Thailand hat nun neun Welterbestätten.

Alvar Aalto, Athen und weitere Stätten

Der finnische Architekt Alvar Aalto wurde mit einem Eintrag für seine Häuser geehrt, die sich laut Unesco „durch eine ebenso orts- wie menschenbezogene Planung“ auszeichnen. Die weitere Umgebung des Olymp in der griechischen Hauptstadt Athen sowie die Burg Alamut im Iran wurden ebenfalls in die Liste aufgenommen.

Bereits am Samstag hatte die Unesco die tunesische Küstenstadt Sidi Bou Saïd zum Welterbe erklärt, bekannt für ihre blau-weißen Häuser. Sechs historische Altstädte auf den Komoren kamen ebenfalls hinzu. Am Freitag waren fünf Kreuzfahrer-Festungen im Süden des Libanon und eine archäologische Stätte im von Israel besetzten Westjordanland als Welterbe eingetragen worden – beide gelten nun als gefährdet.

Mit den neuen Einträgen wächst die Liste des Unesco-Welterbes auf über 1.200 Stätten weltweit. Deutschland bleibt mit 55 Einträgen eines der länder mit den meisten Welterbestätten.

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