Eine Eskalation im Krieg zwischen den USA und dem Iran droht der Weltbank zufolge die globale Wirtschaft in eine schwere Krise zu stürzen. Das weltweite Wachstum könnte auf 1,3 Prozent einbrechen, sagte Weltbank-Chefökonom Indermit Gill in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. 2025 legte das globale Bruttoinlandsprodukt noch um 2,9 Prozent zu.
Konflikt könnte Inflation und Zinsen in die Höhe treiben
Sollte sich der Konflikt ein halbes Jahr oder länger hinziehen, könnte dies zudem die Inflationsrate auf 4,5 Prozent treiben. In der Folge würden auch die Zinsen steigen. Hintergrund ist die jüngste Verschärfung der Lage im Nahen Osten. US-Streitkräfte hatten Ziele im Iran bombardiert, Truppen der Regierung in Teheran schlugen gegen US-Einrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien zurück. Der Schiffsverkehr in der für den Ölhandel wichtigen Straße von Hormus ist gestört.
Ernährungssicherheit und Schuldenkrise verschärfen sich
Ein längerer Konflikt und Schäden an der Öl-Infrastruktur der Region würden Gill zufolge auch die Ernährungssicherheit verschärfen. Lieferungen von Düngemitteln und anderen für die Landwirtschaft wichtigen Gütern würden unterbrochen. Dies könnte eine Kette von Zweitrundeneffekten auslösen, die zu höheren Zinsen führten. Besonders arme Länder, die sich noch nicht von der Corona-Pandemie erholt haben, wären betroffen. Nationen mit hoher Verschuldung wiederum litten unter steigenden Kreditkosten. „Es ist wie ein langsam fahrender Zug, der auf ein Unglück zusteuert“, sagte Gill mit Blick auf die Schuldenlast. Schon jetzt seien 40 Prozent der Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen von einer Schuldenkrise betroffen oder stark gefährdet.
KI als Lichtblick für Entwicklungsländer
Einen Lichtblick sieht Gill jedoch in der Künstlichen Intelligenz (KI). Eine neue Analyse der Weltbank zeige, dass gerade Entwicklungsländer von der neuen Technologie und den damit verbundenen Produktivitätsgewinnen profitieren könnten. Der Anteil der Menschen in ärmeren Ländern, die von KI Nachteile erleiden dürften, liege bei etwa zehn Prozent, verglichen mit 30 bis 40 Prozent in reicheren Ländern. „Entwicklungsländer sollten deutlich optimistischer als Industrieländer sein, was die Auswirkungen von KI angeht“, sagte Gill. KI habe das Potenzial, das Wachstum auf ein seit Jahrzehnten unerreichtes Niveau zu heben.



