Im vergangenen Jahr ist die Zahl der vorübergehenden Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland deutlich gesunken. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden wurden 2025 insgesamt 56.900 Minderjährige aus Obhut genommen – ein Rückgang um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bereits 2024 hatte es einen Rückgang um 7 Prozent gegeben. „Damit ist die Fallzahl innerhalb von zwei Jahren um rund ein Viertel gesunken“, erklärten die Statistiker. Zuvor waren die Zahlen drei Jahre in Folge gestiegen.
Weniger unbegleitete Einreisen als Hauptgrund
Der Hauptgrund für den Rückgang liegt laut Bundesamt in der Entwicklung bei unbegleitet eingereisten Minderjährigen aus dem Ausland. Die Zahl der vorläufigen und regulären Inobhutnahmen nach unbegleiteten Einreisen hat sich binnen eines Jahres nahezu halbiert – von 30.800 auf 16.500. Das entspricht einem Rückgang von rund 46 Prozent. Insgesamt war etwa jede zweite Schutzmaßnahme (rund 50 Prozent) wegen einer dringenden Kindeswohlgefährdung erforderlich. In 29 Prozent der Fälle lag eine unbegleitete Einreise zugrunde, in 18 Prozent eine Selbstmeldung der Minderjährigen.
Lebenssituation vor der Inobhutnahme
Vor der Inobhutnahme lebten rund 59 Prozent der Minderjährigen in einer Familie oder einem privaten Haushalt, 20 Prozent in einer Einrichtung. Bei den übrigen war der Aufenthalt unbekannt oder es lag keine feste Unterkunft vor. Die Jugendämter sind während einer Inobhutnahme verpflichtet, für das Wohl des Kindes oder Jugendlichen zu sorgen und dürfen alle notwendigen Rechtshandlungen vornehmen, darunter auch die Einreichung von Asylanträgen.
Häufigste Anlässe für Schutzmaßnahmen
Die häufigsten Gründe für eine Inobhutnahme waren laut Statistischem Bundesamt:
- Überforderung der Eltern (32 Prozent)
- Unbegleitete Einreisen (29 Prozent)
- Vernachlässigung (16 Prozent)
- Körperliche Misshandlung (15 Prozent)
- Psychische Misshandlung (11 Prozent)
Besonders auffällig ist der Anstieg bei körperlichen und psychischen Misshandlungen: Diese wurden 2025 um rund 1.100 beziehungsweise 940 Nennungen häufiger registriert. Die Zunahme dieser schwerwiegenden Gefährdungen zeigt, dass der Rückgang der Gesamtzahlen nicht auf eine Entspannung der Kinderschutzlage hindeutet, sondern vor allem auf den Rückgang der unbegleiteten Einreisen zurückzuführen ist.
Bedeutung für die Jugendhilfe
Der Rückgang der Inobhutnahmen entlastet die Jugendämter kurzfristig, doch die steigenden Fallzahlen bei Misshandlungen erfordern weiterhin hohe Aufmerksamkeit und Ressourcen. Die Behörden betonen, dass jede vierte Schutzmaßnahme aufgrund einer akuten Kindeswohlgefährdung erfolgte. Die Daten basieren auf der Erhebung des Statistischen Bundesamtes, das die Entwicklung jährlich dokumentiert.



