Immer mehr Babyboomer verabschieden sich vorzeitig aus dem Berufsleben. Die Zahlen sind alarmierend: 1,1 Millionen Menschen aus den geburtenstarken Jahrgängen kassierten 2024 ihre Rente vor der Regelaltersgrenze – Tendenz steigend. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW).
Mehr als jeder Zweite geht vorzeitig
Die Babyboomer rücken zunehmend ins Rentenalter nach. Mehr als jeder Zweite, der die Regelaltersgrenze bereits erreicht hat, ging dabei vorzeitig in Rente. Nach IW-Informationen gingen rund 51 Prozent des Jahrgangs 1957 vorzeitig in den Ruhestand, beim Jahrgang 1958 ist es sogar noch ein halbes Prozent mehr. Als Babyboomer werden Menschen bezeichnet, die zwischen 1946 und 1964 geboren wurden.
Seit 2012 klettert die Regelaltersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Für den Jahrgang 1958 lag sie 2024 bei 66 Jahren – sie mussten also ein ganzes Jahr länger bis zu ihrem Ruhestand arbeiten. Doch das durchschnittliche Start-Rentenalter stieg nur um acht Monate. Laut IW sei die Frührente einfach zu attraktiv. Das ginge zu Lasten der Beitrags- und Steuerzahler. Aktuell liegt das allgemeine Rentenniveau bei rund 48 Prozent. Für jeden, der früher in Rente gehen will, gibt es ab 63 Jahren 0,3 Prozent Abschlag pro vorgezogenem Monat.
„Politik hat eigene Reformen untergraben“
„Die Politik hat ihre eigenen Reformen im vergangenen Jahrzehnt konsequent untergraben“, kritisiert IW-Rentenexpertin Ruth Schüler (39). Nun drohten die Kosten aus dem Ruder zu laufen.
Die Alterssicherungskommission empfiehlt, die abschlagsfreie Frührente zu streichen und den frühesten Ausstieg mit Abschlägen auf drei Jahre vor der Regelaltersgrenze zu begrenzen. „Entscheidend ist aber das Tempo: Bis 2029 erreichen weitere 6,4 Millionen Babyboomer ihre Regelaltersgrenze – es gilt also, so zeitnah wie möglich zu handeln und großzügige Übergangsregeln zu vermeiden“, sagt Schüler.



