Unternehmerin rechnet mit Merz-Reformpaket ab: „Symbolpolitik“ und „Selbstüberschätzung“
Unternehmerin rechnet mit Merz-Reformpaket ab

Sabine Herold, eine Unternehmerin aus dem Mittelstand, hat sich enttäuscht über das vorgelegte Reformpaket von Bundeskanzler Friedrich Merz geäußert. In einem Interview mit dem SPIEGEL wirft sie der Regierung „Symbolpolitik“ und „Selbstüberschätzung“ vor. Das Paket sei „kein großer Wurf“ und werde der Wirtschaft nicht den dringend benötigten Schub geben.

Hoffnungen auf Wirtschaftswende enttäuscht

Herold, die ein mittelständisches Unternehmen führt, hatte zuvor große Erwartungen an die Regierung Merz. „Viele von uns hofften, dass mit Merz endlich eine echte Wirtschaftswende kommt“, sagte sie. Doch das Reformpaket sei weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. „Es fehlt an mutigen Entscheidungen, die den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig machen.“

Kritik an mangelnder Substanz

Die Unternehmerin bemängelt insbesondere, dass das Paket keine durchgreifenden Maßnahmen zur Entbürokratisierung oder Steuerentlastung enthalte. „Stattdessen gibt es viele Ankündigungen, aber wenig Konkretes. Das ist reine Symbolpolitik.“ Sie verwies auf die hohen Energiekosten und die Fachkräftelücke, die nicht adressiert würden. „Wir brauchen keine weiteren Arbeitsgruppen, sondern Taten.“

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Herold bezeichnete die Selbstüberschätzung der Regierung als gefährlich. „Man scheint zu glauben, dass warme Worte reichen. Aber die Unternehmen brauchen Planungssicherheit und echte Entlastung.“ Sie forderte die Regierung auf, nachzubessern: „Es geht um die Zukunft unserer Wirtschaft – und die hängt nicht von Sonntagsreden ab.“

Zahlen belegen die Dringlichkeit

Laut aktuellen Daten des Ifo-Instituts ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft im Juni 2026 auf den tiefsten Stand seit der Corona-Krise gefallen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank um 3,2 Punkte auf 85,1 Zähler. Besonders der Mittelstand leidet unter den hohen Kosten und der schwachen Nachfrage. „Wenn die Regierung jetzt nicht handelt, droht eine Deindustrialisierung“, warnte Herold.

Reaktionen aus der Politik

Das Bundeswirtschaftsministerium wies die Kritik zurück. Ein Sprecher sagte, das Paket enthalte „zahlreiche Maßnahmen, die den Mittelstand entlasten werden“. Dazu gehörten beschleunigte Genehmigungsverfahren und eine Senkung der Unternehmenssteuern. Die Umsetzung werde in den kommenden Monaten erfolgen. Herold zeigte sich skeptisch: „Bis dahin sind viele Betriebe vielleicht schon abgewandert oder haben aufgegeben.“

Auswirkungen auf die Wirtschaft

Die Unternehmerin sieht bereits konkrete Folgen: „Viele meiner Kollegen verschieben Investitionen oder verlagern sie ins Ausland. Das ist ein Alarmzeichen.“ Sie forderte die Regierung auf, das Paket grundlegend zu überarbeiten. „Wir brauchen einen echten Befreiungsschlag, nicht nur kosmetische Korrekturen.“

Herold appellierte an die Koalition, die Dringlichkeit zu erkennen. „Die Zeit läuft uns davon. Wenn wir jetzt nicht handeln, werden wir den Anschluss verlieren.“ Sie kündigte an, sich weiterhin für eine mittelstandsfreundliche Politik einzusetzen. „Ich werde nicht aufhören, darauf hinzuweisen, was schiefläuft.“

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