Bosch hat eine verbindliche Fördervereinbarung mit dem US-Handelsministerium über bis zu 225 Millionen Dollar abgeschlossen. Das Geld stammt aus dem 2022 verabschiedeten CHIPS and Science Act und unterstützt eine Investition von bis zu zwei Milliarden Dollar in den Umbau des Bosch-Werks im kalifornischen Roseville zu einer Fertigungsstätte für Siliziumkarbid-Halbleiter (SiC).
Musterproduktion angelaufen
Der Autozulieferer und Technologiekonzern teilte mit, dass am Standort bereits die Musterproduktion der energieeffizienten Chips angelaufen sei, die vor allem in der Elektromobilität zum Einsatz kommen. Ende des Jahres soll es laut Unternehmenskreisen eine Eröffnungsfeier geben. Bosch plant, seine Kapazitäten zur Fertigung von SiC um ein Vielfaches zu erweitern.
Daher hatte Bosch im Jahr 2023 den rund 40 Jahre alten Halbleiterstandort Roseville von TSI Semiconductors übernommen. Dort will das Unternehmen künftig SiC-Chips auf 200-Millimeter-Wafern herstellen und testen. Die kommerzielle Fertigung in den USA soll laut Unternehmen noch 2026 beginnen.
Meilenstein für lokale Fertigung
Paul Thomas, Nordamerikachef von Bosch, bezeichnete den Produktionsstart und die Einigung mit dem Handelsministerium als „Meilenstein“, um Kunden vor Ort das zu liefern, was diese gefordert hätten: „lokalisierte Fertigung in den USA“. Die Produktion von Siliziumkarbid-Chips in den Vereinigten Staaten stärke die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und nutze die Erfahrung amerikanischer Fachkräfte.
Seit Abschluss des Deals wurde die bestehende Belegschaft laut eigenen Angaben weiterbeschäftigt und geschult. Bosch beschäftigt in Roseville derzeit mehr als 300 Mitarbeitende.
Überparteiliche Einigung und politische Unterstützung
Bosch hatte die Verträge für den neuen Standort im Jahr 2023 noch unter der Regierung von Joe Biden unterzeichnet. Beobachter hatten befürchtet, dass die Handelspolitik von Donald Trump die Verhandlungen über das Subventionspaket zum Erliegen bringen könnte. Hilfreich war laut Insidern, dass der CHIPS Act damals überparteilich verabschiedet worden war und Roseville in einer politisch umkämpften Region liegt.
US-Handelsminister Howard Lutnick erklärte, die Regierung Trump setze sich für den Aufbau sicherer Lieferketten in den USA ein. Gouverneur Gavin Newsom betonte: „Die Investition von Bosch wird dazu beitragen, Kaliforniens Position als weltweit führender Standort für fortschrittliche Fertigung und zukunftsweisende Technologien zu festigen.“
Schlüsseltechnologie für die E-Mobilität
Siliziumkarbid-Halbleiter gelten als Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität, da sie hohe Spannungen und Temperaturen sowie schnelles Schalten effizienter verarbeiten als klassische Siliziumchips. Sie verbessern Reichweite und Ladeeffizienz von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen.
Bosch hatte zuletzt eine dritte Chipgeneration vorgestellt, die bis zu 20 Prozent mehr Leistung bei kleinerer Bauform bietet und künftig auch in Roseville gefertigt werden soll. Seit dem Produktionsstart der ersten Generation 2021 hat Bosch weltweit mehr als 60 Millionen SiC-Chips ausgeliefert.
Zusätzliche Förderung und Investitionen
Zusätzlich zur Bundesförderung erhält der Standort Roseville Steuervergünstigungen vom Bundesstaat Kalifornien. Der Zuschuss beträgt 25 Millionen Dollar im Rahmen des California-Competes-Programms. Dee Dee Myers, Chefin der kalifornischen Wirtschaftsförderung, begründete das mit der „Schaffung gut bezahlter Arbeitsplätze für den Großraum Sacramento“ und der „Stärkung der Halbleiter-Lieferkette des Bundesstaates.“
Bosch kündigte an, ab 2026 jährlich über 100.000 Dollar über den „Bosch Community Fund“ in MINT-Bildungsinitiativen der Region zu investieren. Insgesamt plant Bosch, bis 2031 bis zu 7,5 Milliarden Dollar in seine amerikanischen Aktivitäten zu investieren. In den USA hat der Konzern rund 10.000 Beschäftigte an 20 Standorten.



