BVG startet Millionen-Bauprojekt: Neuer Waisentunnel unter der Spree
BVG startet Neubau des Waisentunnels unter der Spree

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben am Montag offiziell mit dem Ersatzneubau des historischen Waisentunnels unter der Spree begonnen. Das rund 100 Millionen Euro schwere Vorhaben ist eines der komplexesten Bauprojekte der Hauptstadt und soll nach vierjähriger Bauzeit etwa im Jahr 2030 abgeschlossen sein. Der Tunnel ist die einzige Gleisverbindung zwischen der U5 und dem restlichen Berliner U-Bahn-Netz.

Maroder Zustand führte zur Stilllegung

Der alte Waisentunnel war aufgrund seines maroden Zustands seit 2016 gesperrt und seit 2018 stillgelegt. Die Folgen sind erheblich: Züge der U5 können seitdem nicht mehr aus eigener Kraft oder per Schleppfahrt in die Hauptwerkstatt Seestraße oder andere Betriebswerkstätten gelangen, sondern müssen auf Tiefladern transportiert werden. Dies verursacht hohe Kosten und Zeitverluste. „Statt einem Tag etwa 14 Tage pro Reparatur“, erklärte Dennis Backwinkel, Geschäftsführer der BVG Projekt GmbH, zum Baubeginn.

Baubeginn im Untergrund

Der offizielle Startschuss fiel im Untergrund, inmitten massiver Wehrtore und einer ehemaligen Bunkeranlage. Berlins Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) kritisierte die jahrelange „Weigerungshaltung aus der Politik heraus“, den Tunnel wieder aufzubauen. Für sie sei es „ein Ding der Unmöglichkeit, wenn man eine solche Möglichkeit wie diesen Tunnel hat“. BVG-Projektchef Backwinkel betonte die langen Vorarbeiten: „Wir haben einen Planungsmarathon hinter uns, wir haben einen Genehmigungsmarathon hinter uns – und jetzt kommt der dritte Teil, der eigentliche Bau.“

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Komplexe Bauweise unter der Spree

Eine besondere Herausforderung ist, dass der Schiffsverkehr auf der Spree während der gesamten Bauzeit nicht unterbrochen werden darf. Zunächst wird eine Baugrube mitten in der Spree errichtet, wobei Spundwände – verrostete Stahllamellen – tief in den Flussboden gerammt werden, um das Wasser abzuhalten. Der Abbruch des alten Tunnels erfolgt von einem schwimmenden Lastfloß, einem Ponton, aus. Ein riesiger Bagger zertrümmert das alte Betonkonstrukt Stück für Stück. Zudem müssen Schadstoffe entsorgt werden: „Da wurden Stoffe verbaut, die man heute aus gutem Grund nicht mehr nutzt. Wir haben hier also auch ein massives Entsorgungsthema zu lösen“, so Backwinkel.

Teil einer milliardenschweren Gesamtstrategie

Die BVG-Aufsichtsratsvorsitzende Franziska Giffey ordnete das Vorhaben in die Gesamtkonzeption des Berliner Nahverkehrs ein. „Das ist ein Vorhaben, das zu den großen Investitionsprojekten gehört, die der Aufsichtsrat positiv beschieden hat. Es ist gleichzeitig Teil einer riesigen Gesamtstrategie“, sagte Giffey. Allein im aktuellen Jahr bewege die BVG ein historisches Investitionsvolumen von rund einer Milliarde Euro, um Netze, U-Bahnhöfe und die Infrastruktur zu modernisieren. „Wenn man sich das ausrechnet: 1000 Millionen Euro in einem Jahr, verteilt auf 365 Tage – das zeigt, welche enormen Volumina wir täglich verbauen, nur um unser Netz stabil zu halten.“

Kosten-Nutzen-Relation

Backwinkel relativierte die Investitionskosten: „Wir bauen so einen Tunnel für die nächsten 100 Jahre. Bei einer Million Euro Kosten pro Nutzungsjahr sieht die Relation zur Gesamtinvestition gleich ganz anders aus.“ Der alte Tunnel, zwischen 1912 und 1918 von der AEG erbaut, sei am Ende seiner Lebensdauer und löse sich unter der Spree auf. Eine Sanierung sei keine Option gewesen.

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