Betrieb wird geordnet abgewickelt
Die insolvente Privatbrauerei Eichbaum in Mannheim wird ihre noch vorhandenen Aufträge bis Ende September 2026 abwickeln. Das Unternehmen teilte mit, dass der Betrieb mit einem kleinen Abwicklungsteam geordnet auslaufen soll. Sämtliche Vermögensgegenstände der traditionsreichen Brauerei, darunter auch das Betriebsgrundstück an der Käfertaler Straße, sollen verkauft werden. Dies sei notwendig, um die Gläubiger bestmöglich zu befriedigen.
Alle 240 Beschäftigten erhalten Kündigungen
Bereits am Montag hatte das Unternehmen angekündigt, dass alle rund 240 Beschäftigten am Standort kurzfristig betriebsbedingte Kündigungen erhalten werden. Hintergrund ist, dass nach Angaben von Eichbaum keine tragfähige Investorenlösung gefunden werden konnte. Zuerst hatte der „Mannheimer Morgen“ über die Entwicklung berichtet.
Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert nun rasche Verhandlungen über einen Sozialplan. Stephanie Albicker von der NGG-Region Mannheim-Heidelberg betonte, dass auch eine mögliche Transfergesellschaft noch nicht vom Tisch sei: „Aus unserer Sicht muss dringend über einen Sozialplan verhandelt werden. Auch ist noch nicht das letzte Wort gesprochen zu einer möglichen Transfergesellschaft.“
Insolvenzverfahren und Ursachen
Die Brauerei hatte Ende Oktober 2025 den Antrag auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung gestellt. Als Ursachen für die Schieflage nannte das Unternehmen einen Umsatzrückgang im Export sowie eine sinkende Nachfrage im Inland, was zu einem Liquiditätsengpass führte. Die fast 350-jährige Geschichte der Brauerei begann eigenen Angaben zufolge im Jahr 1679.
Rechtsanwalt Thomas Oberle, der das Verfahren als gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht, erklärte: „Wir sind verpflichtet, im Interesse aller Gläubigerinnen und Gläubiger zu handeln und Entscheidungen auf Grundlage wirtschaftlicher Umsetzbarkeit zu treffen.“ Er unterstütze das Vorgehen der Eigenverwaltung, „durch eine geordnete Verwertung die bestmögliche Befriedigung der Gläubigerforderungen zu erreichen“.
Geschäftsführer: Betriebseinstellung alternativlos
Die Geschäftsführer Uwe Aichele und Frank Reifel zeigten sich betroffen: „Es schmerzt, dass wir diesen Schritt gehen müssen.“ Die Betriebseinstellung sei unter den gegebenen Rahmenbedingungen jedoch alternativlos gewesen. Die Entscheidung fiel, nachdem alle Rettungsversuche gescheitert waren.



