Fury und Joshua: Aufbaukämpfe vor 200-Millionen-Blockbuster
Fury und Joshua: Aufbaukämpfe vor 200-Millionen-Blockbuster

Die Box-Superstars Tyson Fury und Anthony Joshua steigen am Wochenende in den Ring, allerdings noch nicht gegeneinander. Stattdessen heizen die Altstars ihre langersehnte Battle of Britain an – mit sportlich fragwürdigen Aufbaukämpfen. Der Kampf, der im Herbst stattfinden soll, ist bereits vertraglich besiegelt und soll über 200 Millionen Pfund (rund 325 Millionen Euro) einbringen.

Fury trifft auf Mariusz Wach in Thailand

Tyson Fury kämpft am Freitag im thailändischen Ferienort Pattaya gegen den Polen Mariusz Wach. Der 37-jährige Brite hatte sich im April nach eineinhalb Jahren Rente gegen den Russen Arslanbek Makhmudov mit einem Punktsieg zurückgemeldet. Der Kampf findet vor einem exklusiven Publikum von nur 1500 Zuschauern statt. Die Ticketeinnahmen kommen einer Wohltätigkeitsorganisation zugute, die benachteiligte Kinder in Pattaya unterstützt. Via TV oder Streaming ist das Duell nicht zu sehen. Die Kameras laufen nur für die dritte Staffel der Netflix-Serie "At Home with the Furys", die später ausgestrahlt wird. Fury prahlte: "Ich hätte 100.000 Tickets im Wembley-Stadion oder 70.000 in Tottenham verkaufen können." Aber für Geld boxe er nicht.

Joshua boxt in Saudi-Arabien gegen Kristian Prenga

Anthony Joshua, ebenfalls 36, kämpft einen Tag nach der Fury-Show in Dschidda in Saudi-Arabien gegen den Albaner Kristian Prenga. Der 35-jährige No-Name hat alle seine 20 Siege (bei einer Niederlage) durch K.o. erzielt, weswegen ihn die Promoter als potenziell gefährlich inszenieren. Sportlich ist das Vorgeplänkel jedoch wertlos. Die amerikanische Trainerlegende Teddy Atlas kommentierte bei "Canada Casino": "Ich mache keinen runter, der in den Ring steigt, aber realistisch gesehen sind diese Aufwärmkämpfe ausgemachte Sache."

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Kritik an den Gegnern

Furys Gegner Wach ist bereits 46 Jahre alt. Der 2,02-Meter-Riese hat in seiner Karriere viel einstecken müssen. Vor fast 14 Jahren, im Herbst 2012, bezog er vom damaligen Weltmeister Wladimir Klitschko in Hamburg eine fürchterliche Tracht Prügel, fiel aber nicht um. In den letzten zehn Kämpfen verlor Wach sieben. Fury selbst warnt: "Gefährlich" sei sein Kampf gegen den polnischen Hünen, "er ist so groß wie ich." Er spottete über Joshuas Gegner: "Mariusz Wach würde mit seiner Faust einmal durch Joshuas Gegner pflügen, diesen Mr. Pringles oder wen auch immer."

Prenga: Vom Taxifahrer-Kämpfer zum Joshua-Gegner

Kristian Prenga ist bestenfalls Insidern ein Begriff. US-Experte Max Kellermann räumte in einer Show der Box-Bibel "The Ring" ein: "Ja, er hat bisher nur gegen Taxifahrer gekämpft." Aber der 1,96-Meter-Mann vom Balkan könne hart hauen. Andere Beobachter beschwören ein Andy-Ruiz-Szenario herauf. Gegen den übergewichtigen Mexikaner hatte Joshua bei seinem US-Debüt 2019 überraschend seine WM-Krone verloren. Prenga mit Ruiz gleichzusetzen, sei jedoch unseriös.

Der Weg zum Megafight

Der Traumkampf der Briten soll im Herbst stattfinden. Noch ist nicht entschieden, wo der Blockbuster stattfindet. Der saudische Box-Mogul Turki Al-Sheikh ist offen für den Wunsch der britischen Fans, das Gefecht im Vereinigten Königreich auszutragen, sofern der Gong zu einer Zeit schlägt, die dem US-Markt genehm ist. Streaming-Gigant Netflix überträgt, Fury und Joshua sollen in den USA zur Primetime zu sehen sein. In England wäre es dann 2 Uhr nachts. Für ein Spektakel im Wembley-Stadion vor mehr als 90.000 Zuschauern müsste die Sperrstunde aufgehoben werden. Als Alternative gilt das Principality Stadium in Cardiff (80.000 Plätze) oder Las Vegas. Laut Medienberichten sind mehr als 200 Millionen Pfund im Topf, die Fury und Joshua 50:50 teilen.

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Joshua trainiert mit Usyk

Joshua hat sich für die Mission Fury mit seinem Nemesis Oleksandr Usyk zusammengetan. Der Schwergewichts-König hatte Joshua 2021 und 2022 nach Punkten geschlagen. In Dschidda, wo Joshua nun sein Comeback gibt, sagte er: "Ich habe mein Ego abgelegt und gesagt: 'Let's go!' Ich will der Beste sein, also umgebe ich mich mit den Besten." Als Teil von Team Usyk habe er vor allem seine Ausdauer verbessert. "Ist das nicht unglaublich? Der Typ, der mich vor vier Jahren in Dschidda besiegt hat, ist jetzt mein Mentor. Ich habe gesagt, ich muss über zwölf Runden ein besserer Kämpfer werden. Jetzt hilft sein Team mir dabei, wieder die beste Version von mir selbst zu werden." Usyk prophezeit, dass Joshua sich 2027 zum unumstrittenen Weltmeister krönen werde.

Fury und Joshua: Keine Weltmeister mehr, aber immer noch Stars

Fünf Jahre nach dem verpassten Kampf ist keiner der Briten mehr Weltmeister. Dennoch ist der Kampf beschlossen. Fury schloss aus, nach seinem Kampf in Thailand direkt nach Dschidda zu reisen: "Ich fliege heim zu meiner Frau und den Kindern, von denen ich zehn Wochen weg war." So viel Tamtam sei nicht nötig.