Italo und Flixtrain fordern DB heraus: Wettbewerb auf der Schiene nimmt Fahrt auf
Italo und Flixtrain fordern DB heraus: Wettbewerb auf der Schiene

Wettbewerb im deutschen Fernverkehr: Italo und Flixtrain planen Angriff auf die DB

Die italienische Privatbahn Italo will ab 2028 auf zwei Strecken gegen die Deutsche Bahn (DB) antreten: von München nach Köln und ins Ruhrgebiet sowie von München nach Berlin und weiter nach Hamburg. Dafür hat das Unternehmen 30 Hochgeschwindigkeitszüge bei Siemens bestellt, die mehr als drei Milliarden Euro kosten. Auch Flixtrain rüstet auf: Der bisherige private Wettbewerber hat 65 moderne Hochgeschwindigkeitszüge beim spanischen Hersteller Talgo geordert und wird damit ab 2028 bei Reisezeiten und Komfort auf Augenhöhe mit dem ICE sein.

Tomaso Duso, Chef der deutschen Monopolkommission, sieht darin eine Chance für die Fahrgäste. Er verweist auf die Erfahrungen in Italien: „Wo Bahnanbieter tatsächlich konkurrieren, sinken die Preise und die Qualität steigt.“ In Italien fahren die Schnellzüge schnell, günstig und vergleichsweise pünktlich – ein Ergebnis des harten Wettbewerbs zwischen dem staatlichen Anbieter Trenitalia und der Privatbahn Italo. Duso erhofft sich einen ähnlichen Effekt für Deutschland: „Mit Italo könnte der deutsche Fernverkehr starken Wettbewerb im Hochgeschwindigkeitsverkehr bekommen – und das ist gut für die Fahrgäste.“

Bundesnetzagentur zwingt DB zu mehr Wettbewerb

Italo hatte seinen Markteintritt von einer Garantie abhängig gemacht, dass die gewünschten Fahrten in den kommenden Jahren stets angeboten werden können. Bisher vergibt die DB-Tochter DB InfraGO die Fahrtzeiten jährlich neu. Die Bundesnetzagentur hat nun entschieden, dass InfraGO auf stark nachgefragten Strecken mindestens 25 Prozent der Fahrten an die private Konkurrenz vergeben muss. In überlasteten Streckenabschnitten dürfen künftig nur 60 bis 75 Prozent der Verbindungen vom selben Unternehmen betrieben werden. Damit ist absehbar, dass die DB ihren derzeitigen Marktanteil von 95 Prozent im Fernverkehr nicht halten kann.

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Die Bahngewerkschaft EVG hat bereits gewarnt, dass kleinere Großstädte wie Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Jena und Magdeburg Fernverkehrsverbindungen verlieren könnten. Auch der ökologische Verkehrsclub VCD unterstützt den Wettbewerb, fordert aber: „Die Regierung muss Rosinenpickerei verhindern.“

Verkehrsminister Schnieder will Trassenpreise reformieren

Verkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hat nun erstmals signalisiert, dass er auf die veränderte Marktsituation reagieren will. Er sagte der dpa: „Wir können für bestimmte Strecken Anreize setzen, indem wir zum Beispiel Trassenpreise unterschiedlich ausgestalten.“ Attraktive Verbindungen wie Berlin–München könnten demnach höher bepreist werden, Fahrten zu weniger lukrativen Zielen günstiger. Trassenpreise sind eine Art Schienenmaut, die jedes Bahnunternehmen für die Nutzung der Strecken zahlen muss. Eine Reform der Trassenpreise möchte das Verkehrsministerium im kommenden Herbst umsetzen.

Die Entscheidung über die Trassenvergabe will Schnieder hingegen der Bundesnetzagentur überlassen. Die Behörde hat die Branche und die Politik in dieser Woche zu Stellungnahmen aufgefordert und will in wenigen Tagen bekanntgeben, wie InfraGO die begehrten Fahrtzeiten künftig verteilen soll.

Grüne fordern stärkere Regulierung des Fernverkehrs

Der Bahnpolitiker der Grünen, Matthias Gastel, kritisiert in einer Stellungnahme, dass sich Schnieder in diesen Prozess nicht mehr einmischt. Um zu verhindern, dass abgelegene Großstädte wie Jena abgehängt werden, kann sich Gastel eine Steuerung über die Trassenpreise vorstellen. Daneben kommt für ihn auch in Betracht, dass der Bund die Fahrten im Fernverkehr künftig vergibt – ähnlich wie bereits heute im Nahverkehr – und die Anbieter dabei zwingt, neben attraktiven Verbindungen zwischen den Metropolen auch Fahrten in abgelegene Großstädte anzubieten. Gastel betont jedoch: „Eine weitergehende Regulierung wie die Vergabe von Fernverkehrslinien durch den Bund benötigt gesetzliche Anpassungen.“ Die Grünen haben die Bundesregierung zuletzt mit einem Antrag im Bundestag aufgefordert, das Angebot im Fernverkehr stärker zu steuern.

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