Der Energietechnikkonzern Siemens Energy benennt sich in Omterra um. Noch im laufenden Jahr soll der Namenswechsel beginnen und schrittweise umgesetzt werden, teilte das Unternehmen mit. Die Übergangsphase wird etwa eineinhalb Jahre dauern. Mit dem neuen Namen kappt der Konzern eine der letzten Verbindungen zur ehemaligen Mutter Siemens.
Kunstwort als neue Marke
Mit Omterra entscheide man sich „bewusst für eine eigenständige, international anschlussfähige Marke“, erklärte der Konzern. Der neue Name ist ein reines Kunstwort, was aus markenrechtlichen Gründen üblich ist. Siemens Energy reiht sich damit in eine Liste von Unternehmen ein, die nach Abspaltungen neue, teils ungewöhnliche Namen gewählt haben – wie Traton (Nutzfahrzeugsparte von VW), Ceconomy (Mutter von Saturn und MediaMarkt) oder Aumovio und Vitesco (abgespaltene Teile von Continental).
Lizenzgebühr von 300 Millionen Euro im letzten Jahr
Bei der Abspaltung von Siemens Energy im Jahr 2020 wurde vereinbart, dass der geschützte Name Siemens zehn Jahre lang genutzt werden darf – gegen eine umsatzabhängige Lizenzgebühr. Allein im vergangenen Jahr belief sich diese auf rund 300 Millionen Euro. Siemens Energy hatte bereits klargestellt, die bis 2030 laufende Vereinbarung nicht zu verlängern. Die vorzeitige Namensänderung bringt zwar kaum Einsparungen, doch der Konzern sieht den Zeitpunkt aufgrund seiner aktuellen Stärke als günstig an.
Konzernchef Christian Bruch sagte: „Wir haben das Vertrauen unserer Kunden und des Kapitalmarkts gewonnen, unsere Profitabilität verbessert und ehrgeizige Wachstumspläne für die kommenden Jahre. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Übergang zu einer eigenen Marke einzuleiten.“
Vom Krisenkind zum Dax-Schwergewicht
Seit der Ausgliederung des Energietechnikgeschäfts von Siemens im Jahr 2020 erlebte Siemens Energy eine Achterbahnfahrt. Vor allem das Windkraftgeschäft sorgte mit immer neuen Belastungen für Milliardenverluste. Inzwischen hat der Konzern die Probleme weitgehend im Griff: Im laufenden Geschäftsjahr soll die Windkrafttochter zumindest in einem Quartal schwarze Zahlen schreiben.
Der Konzern profitiert zudem von mehreren Trends: dem Umbau der Netze, dem Ausbau der Windkraft, der hohen Nachfrage nach Gaskraftwerken und nicht zuletzt von KI-Rechenzentren. Im laufenden Geschäftsjahr strebt Siemens Energy einen Gewinn von rund 4 Milliarden Euro an – der mit Abstand höchste Wert seiner kurzen Geschichte.
Aktienkurs spiegelt die Entwicklung wider
Die wechselhafte Geschichte des Unternehmens zeigt sich auch im Aktienkurs. Im September 2020 startete das Papier bei 23 Euro, fiel bis Herbst 2023 auf unter 10 Euro, um dann steil anzusteigen. Derzeit notiert die Aktie bei rund 150 Euro. Mit einer Marktkapitalisierung von etwa 130 Milliarden Euro gehört Siemens Energy zu den wertvollsten Unternehmen im Dax.



