VW-Krise: Experten warnen vor Dominoeffekt und Detroitisierung
VW-Krise: Dominoeffekt und Detroitisierung drohen

Im Ringen um neue Sparpläne bei Volkswagen warnen Experten vor weitreichenden Dominoeffekten für die gesamte Wirtschaft. Sollte es zu Werksschließungen kommen, drohe eine „Detroitisierung“ ganzer Regionen, ähnlich dem Niedergang der US-Autometropole Detroit. Branchenexperte Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM), sagte: „Wenn Volkswagen strauchelt, hat das Dominoeffekte für breite Teile der Wirtschaft. Im Falle des Schließens von Werken vervielfachen sich in einer Kettenreaktion die betroffenen Arbeitsplätze.“

Zehntausende Jobs direkt betroffen

Medienberichten zufolge könnten bis zu vier Werke (Hannover, Emden, Zwickau, Neckarsulm) bis 2034 geschlossen werden, weltweit wären bis zu 120.000 Jobs bedroht. Das wäre mehr als doppelt so viele wie die bisher geplanten 50.000 Stellen, die bis 2030 in Deutschland abgebaut werden sollen. Branchenexperte Frank Schwope von der Fachhochschule des Mittelstands (FHM) in Berlin hält jedoch geringere Einschnitte für wahrscheinlich: „Ich denke, dass man sich irgendwo auf 30.000 bis 40.000 einigen wird“ – weltweit, nicht nur in Deutschland. Zusätzlich abmildern ließen sich die Verluste durch eine Vier-Tage-Woche, wie VW sie bereits in den 1990er-Jahren praktiziert hatte.

Dominoeffekt: Bis zu 200.000 zusätzliche Stellen gefährdet

Bratzel warnt vor deutlich größeren Auswirkungen: „Wir gehen davon aus, dass im Falle des Wegfalls von weiteren 50.000 Stellen mindestens dreimal bis fünfmal mehr Arbeitsplätze im Umfeld von Zulieferern, Logistikunternehmen, Hotels und Bäckereien betroffen sind.“ Damit könnten mehr als 200.000 Arbeitsplätze zusätzlich zu den Stellen beim Autobauer selbst wegfallen. Die Gefahr einer „Detroitisierung“ sei nicht unrealistisch, so Bratzel. Detroit war einst Zentrum der US-Autoindustrie und verfiel nach deren Niedergang dramatisch: Fabriken schlossen, die Bevölkerung schrumpfte um mehr als die Hälfte, ganze Stadtteile verödeten.

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Experten sehen geringere Werksschließungen

Ferdinand Dudenhöffer, Branchenexperte, rechnet hingegen mit weniger harten Einschnitten: „Nach meiner Einschätzung wird es keine Werkschließung – allerhöchstens Neckarsulm – geben.“ Er forderte VW auf, in vernünftige Gespräche mit der IG Metall einzutreten, und schlug den niedersächsischen SPD-Ministerpräsidenten Olaf Lies als Moderator vor. VW müsse in vernünftige Gespräche eintreten, so Dudenhöffer.

VW-Chef nennt konkrete Zahlen

VW-Konzernchef Oliver Blume war am vergangenen Donnerstag mit seinem Sparpaket im Aufsichtsrat gescheitert. Am Montag nannte er im VW-Intranet erstmals eine konkrete Zahl: Ohne Veränderung der Arbeitskosten würde sich als „theoretische Ableitung“ eine Größenordnung von rund 50.000 Stellen weltweit ergeben, die zusätzlich zu den bereits bis 2030 geplanten 50.000 gestrichen werden müssten. Zu den Werken Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm sagte Blume: „Dass wir heute für diese Werke in den 30er-Jahren noch keine wettbewerbsgerechte Belegung bestätigen können.“ Mit Blick auf mögliche Standortschließungen betonte er jedoch: „Intelligente Lösungen sind immer besser, als ein Werk zu schließen.“ Alternative Lösungen würden geprüft, etwa für Osnabrück mit Unternehmen der Verteidigungsindustrie. „Uns ist es wichtig, Beschäftigung zu sichern.“

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