Bauzinsen steigen vor EZB-Sitzung: Experte warnt vor kurzer Entspannung
Bauzinsen steigen: Experte warnt vor kurzer Entspannung

EZB-Sitzung am 23. Juli: Kaum Einfluss auf Bauzinsen erwartet

Heute tagt die Europäische Zentralbank (EZB) erneut zur Leitzinsentscheidung. Viele Kreditnehmer fragen sich, ob dies die Bauzinsen beeinflusst. Florian Pfaffinger, Zinsexperte bei Dr. Klein, erwartet jedoch keine Änderung: „Meines Erachtens wird ein Schritt erst nach der Sommerpause kommen.“ Die schwache Konjunktur und die aktuellen Inflationsdaten böten keinen Anlass für eine Zinserhöhung im Juli. Dennoch sind die Bauzinsen zuletzt gestiegen – Grund dafür sind vor allem geopolitische Spannungen.

Geopolitische Faktoren treiben Bauzinsen

Nachdem im Juni ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran den Ölpreis sinken ließ und die Inflationserwartungen dämpfte, waren die Bauzinsen kurzzeitig gefallen. Der repräsentative Zins von Dr. Klein für eine zehnjährige Baufinanzierung lag Anfang Juli bei 3,32 Prozent. Doch die Entspannung war nur von kurzer Dauer: Die erneute militärische Eskalation ließ Ölpreis und Inflationssorgen wieder steigen, was die Renditen von Bundesanleihen und damit auch die Bauzinsen nach oben trieb. „Für potenzielle Käufer bedeutet das: Eine Drei vor dem Komma ist aktuell definitiv ein attraktives Angebot“, so Pfaffinger. Er rät, in der volatilen Zeit mehrere Angebote einzuholen, da Kreditinstitute unterschiedlich schnell auf Nachrichten reagieren.

Bauzinsen der Woche: Große Unterschiede zwischen Anbietern

Ein aktueller Vergleich zeigt erhebliche Zinsunterschiede. Bei einem Beispielkredit von 400.000 Euro (320.000 Euro Darlehen, 80.000 Euro Eigenkapital, zehn Jahre Zinsbindung, zwei Prozent Tilgung) bieten Dr. Klein und die DTW Immobilienfinanzierung mit 3,81 Prozent effektivem Jahreszins die günstigste monatliche Rate von 1.677 Euro. Interhyp liegt bei 3,86 Prozent (1.693 Euro), Baufi24 bei 4,07 Prozent (1.751 Euro). Das teuerste Angebot kostet jährlich rund 888 Euro mehr als das günstigste.

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ING führt Rabatte ein – trotz Zinserhöhung

Die ING hatte die Bauzinsen zuletzt erhöht, führt nun aber zwei Rabatte ein: Bei Darlehen ab 450.000 Euro gibt es bis zu 0,10 Prozentpunkte Rabatt, ebenso bei Führung des Gehaltskontos bei der ING. Beide Rabatte gelten für Neu- und Anschlussfinanzierungen, Forward-Darlehen und Aufbaufinanzierungen, nicht aber für Verlängerungen bestehender Darlehen.

1822direkt und PSD Bank Nürnberg erhöhen Zinsen

Die Sparkassentochter 1822direkt hob den repräsentativen Effektivzins von 3,65 auf 3,85 Prozent an (Darlehen 300.000 Euro, zehn Jahre, zwei Prozent Tilgung). Die monatliche Rate steigt um 47 Euro auf 1.440 Euro. Zudem berechnet die Bank einen Zinsaufschlag von 0,10 Prozentpunkten für Immobilien unter Energieeffizienzklasse A oder A+. Die PSD Bank Nürnberg erhöhte ihren effektiven Zins von 3,44 auf 3,59 Prozent (300.000 Euro, zehn Jahre, ein Prozent Tilgung), was monatliche Mehrkosten von 41 Euro bedeutet. Trotz der Erhöhung liegt die PSD Bank mit 3,59 Prozent unter dem Marktdurchschnitt von Interhyp (3,93 Prozent).

Commerzbank und Allianz ziehen nach

Die Commerzbank erhöhte den effektiven Jahreszins im repräsentativen Beispiel auf 4,00 Prozent (zuvor 3,88 Prozent) für ein Darlehen von 100.000 Euro mit zehn Jahren Zinsbindung und 60 Prozent Beleihung. Die monatliche Rate steigt um 5,68 Euro. Die Allianz kündigte eine Erhöhung auf 4,74 Prozent effektiv (zuvor 4,69 Prozent) für ein Darlehen von 150.000 Euro mit 25 Jahren Zinsbindung an, was monatlich 6,25 Euro mehr kostet.

Fachleute erwarten weiteren Anstieg

Jörg Utecht, CEO der Interhyp-Gruppe, warnt: „Die Renditen der Staatsanleihen haben bereits wieder spürbar angezogen – und in der Folge dürften auch die Bauzinsen bald wieder anziehen.“ Die kurzzeitige Phase der Marktentspannung sei vorbei. Er empfiehlt einen detaillierten Angebotsvergleich, da Banken unterschiedlich schnell auf die Nachrichtenlage reagierten.

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