US-Börsenexperte Koch: Anleihemarkt signalisiert Inflationssorgen
Anleihemarkt signalisiert Inflationssorgen - Koch

Der US-Börsenexperte Markus Koch hat in der aktuellen Ausgabe von Handelsblatt Live auf ein besorgniserregendes Signal am Anleihemarkt hingewiesen. Trotz eines leichten Rückgangs des Rohölpreises zum Wochenstart bleiben die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen auf einem auffällig hohen Niveau. Dies deute auf anhaltende Inflationssorgen der Marktteilnehmer hin, so Koch.

Renditen auf hohem Niveau

Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen, die als wichtiger Indikator für langfristige Inflationserwartungen gelten, haben sich in den vergangenen Wochen kaum von ihren Höchstständen entfernt. „Das ist bemerkenswert, denn eigentlich müssten die Renditen bei fallenden Ölpreisen nachgeben“, erklärte Koch. Der Preis für die Rohölsorte WTI fiel zum Handelsstart um rund 0,5 Prozent auf knapp 75 Dollar pro Barrel. Normalerweise würden sinkende Energiepreise die Inflationserwartungen dämpfen, was sich in niedrigeren Anleiherenditen niederschlagen müsste.

Doch genau das Gegenteil sei der Fall: Die Renditen verharren auf einem Niveau, das zuletzt vor der Finanzkrise 2008 erreicht wurde. Für Koch ist dies ein klares Zeichen, dass die Marktteilnehmer mit einer länger anhaltenden Inflation rechnen, die von der US-Notenbank allein nicht kontrolliert werden kann. „Die Anleihemärkte signalisieren, dass die Inflationsbekämpfung schwieriger wird, als viele Optimisten glauben“, so der Experte.

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Zusammenhang zwischen Ölpreis und Anleihen

Der Ölpreis gilt als einer der wichtigsten Treiber der kurzfristigen Inflation. Ein Rückgang der Ölpreise sollte daher theoretisch die Inflationserwartungen senken und zu fallenden Renditen führen. Dass die Renditen dennoch stabil bleiben, verdeutlicht laut Koch eine tiefere strukturelle Verankerung der Inflation. „Die Märkte sehen offenbar Risiken, die über reine Energiepreiseffekte hinausgehen“, sagte er.

Hinzu komme eine robuste Nachfrage nach langfristigen Anleihen, die von institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds und Versicherern getrieben werde. Diese Nachfrage könne die Renditen kurzfristig stützen, doch sobald sich die Inflationserwartungen weiter verfestigten, drohe ein deutlicher Renditeanstieg.

Auswirkungen auf die Geldpolitik

Die anhaltend hohen Renditen setzen die US-Notenbank Federal Reserve unter Druck. Ein weiterer Zinsschritt nach oben könnte notwendig sein, um die Inflation in den Griff zu bekommen. Allerdings birgt dies das Risiko einer Konjunkturabkühlung. „Die Fed steckt in einem Dilemma: Strafft sie die Zinsen zu stark, gefährdet sie das Wirtschaftswachstum; zu locker, verfestigt sich die Inflation“, erläuterte Koch.

Die Märkte preisen bereits eine weitere Zinserhöhung im September mit einer Wahrscheinlichkeit von über 50 Prozent ein. Sollten die Renditen langlaufender Anleihen weiter steigen, könnte dies jedoch auch zu einer automatischen Straffung der Finanzierungsbedingungen führen, ohne dass die Fed aktiv werden müsste.

Ölpreisrückgang: Nur eine Verschnaufpause?

Der Rückgang des WTI-Ölpreises wurde von Händlern vor allem mit Gewinnmitnahmen nach einer mehrwöchigen Rally begründet. Zudem belasten Konjunktursorgen aus China und Europa die Nachfrageaussichten. Dennoch warnte Koch vor voreiligen Entwarnungen: „Die Förderkürzungen der Opec+ und die angespannte geopolitische Lage im Nahen Osten könnten den Ölpreis jederzeit wieder nach oben treiben.“

Ein erneuter Anstieg des Ölpreises würde die Inflationssorgen weiter anheizen und die Renditen zusätzlich nach oben treiben. „Das Zusammenspiel von Energiepreisen und Anleihemärkten bleibt ein zentraler Risikofaktor für die globale Konjunktur“, fasste Koch zusammen.

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