Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihr Inflationsziel von 2,0 Prozent nach Einschätzung von Volkswirten erst in zwei Jahren erreichen. In der vierteljährlichen Umfrage unter Ökonomen, dem Survey of Professional Forecasters (SPF), wurde die Prognose für 2027 von zuvor 2,1 Prozent auf 2,2 Prozent angehoben. Für das laufende Jahr 2026 erwarten die Fachleute weiterhin eine Teuerungsrate von 2,7 Prozent, wie die EZB am Freitag mitteilte.
Inflationserwartungen der Verbraucher sinken
Die Inflationserwartungen der Verbraucher in den Euro-Ländern sind dagegen gefallen. Laut einer separaten EZB-Umfrage rechneten die Menschen im Juni für die kommenden zwölf Monate mit einer Teuerungsrate von 3,0 Prozent, nach 3,5 Prozent im Mai. Dies zeigt eine zunehmende Entspannung der Inflationserwartungen in der Bevölkerung.
EZB-Leitzins bleibt bei 2,25 Prozent
Der EZB-Rat beließ den Leitzins am Donnerstag auf seiner Sitzung unverändert bei 2,25 Prozent, ließ aber die Tür für eine Erhöhung im September offen. Die Notenbank betont, dass die Geldpolitik weiterhin datenabhängig sei. Die aktuelle SPF-Befragung wurde vom 1. bis 6. Juli durchgeführt und umfasst die Prognosen von rund 60 Volkswirten.
„Die Inflation wird voraussichtlich erst 2028 das Ziel von 2,0 Prozent erreichen“, erklärte ein EZB-Sprecher. Die Experten gehen davon aus, dass die Teuerungsrate 2028 genau bei der Stabilitätsmarke der EZB liegen wird. Die Anhebung der Prognose für 2027 spiegelt anhaltende Preisrisiken wider, insbesondere im Dienstleistungssektor.
Hintergrund der Prognoseänderung
Der SPF gilt als wichtiges Instrument der EZB zur Einschätzung der Inflationsentwicklung. Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass die Notenbank ihren Kampf gegen die hohe Inflation noch nicht gewonnen hat. Während die Verbraucher zunehmend von sinkenden Preisen ausgehen, bleiben die Fachleute vorsichtiger. Die EZB hatte zuvor mehrfach ihre Inflationsprognosen nach oben korrigieren müssen.



