Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Leitzinsen trotz der rapide steigenden Energiepreise vorerst unverändert gelassen. Dies gab EZB-Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag im Anschluss an die turnusmäßige Zinssitzung in Frankfurt bekannt.
EZB belässt Leitzins bei 3,25 Prozent
Der für die Geldpolitik im Euroraum maßgebliche Einlagensatz verbleibt bei 3,25 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz bleibt bei 3,40 Prozent und der Spitzenrefinanzierungssatz bei 3,65 Prozent. Die Entscheidung fiel einstimmig, wie Lagarde betonte. Sie lag im Rahmen der Erwartungen der meisten Volkswirte.
Energiepreise treiben Inflation, aber EZB zeigt sich gelassen
Hintergrund der Entscheidung ist die jüngste Entwicklung der Energiepreise, die im Juli deutlich angezogen haben. Die Teuerungsrate im Euroraum war zuletzt wieder auf 2,6 Prozent gestiegen, nach 2,5 Prozent im Mai. „Die Energiepreise steigen rapide“, räumte Lagarde ein. Dennoch sieht die Notenbank keinen akuten Handlungsbedarf. „Wir beobachten die Entwicklung genau, aber die aktuellen Daten rechtfertigen noch keine Zinsanpassung“, so Lagarde wörtlich.
Prognosen für Konjunktur und Inflation
Die EZB geht in ihren aktuellen Projektionen davon aus, dass die Inflation im Euroraum im Jahr 2026 bei durchschnittlich 2,4 Prozent liegen wird – leicht über dem Zielwert von 2,0 Prozent. Für 2027 wird ein Rückgang auf 2,1 Prozent erwartet. Das Wirtschaftswachstum wird für 2026 auf 1,2 Prozent geschätzt, nach 0,9 Prozent im Vorjahr. „Die Konjunktur erholt sich langsam, aber die geopolitischen Risiken bleiben hoch“, sagte Lagarde.
Reaktionen auf den Zinsentscheid
Die Finanzmärkte reagierten verhalten auf die Entscheidung. Der Euro gab zum US-Dollar leicht nach, während die Aktienmärkte kaum Ausschläge zeigten. Analysten werteten den Schritt als Zeichen der Geduld der EZB. „Die Notenbank will sich nicht von kurzfristigen Preissprüngen treiben lassen“, kommentierte Ökonom Jörg Krämer von der Commerzbank. „Sie hält an ihrem datenabhängigen Kurs fest.“
Ausblick auf kommende Sitzungen
Für die nächste Zinssitzung im September sind keine großen Änderungen zu erwarten. Lagarde deutete an, dass die EZB erst dann über eine Lockerung der Geldpolitik nachdenken werde, wenn die Inflationsdaten nachhaltig auf das Ziel von 2,0 Prozent zusteuern. „Wir brauchen mehr Sicherheit, dass der Disinflationstrend intakt ist“, so die EZB-Präsidentin. Die nächsten wichtigen Daten werden die Inflationszahlen für August sein, die Anfang September veröffentlicht werden.



