Shein verzeichnet Verlust vor Börsengang in Hongkong
Shein verzeichnet Verlust vor Börsengang in Hongkong

Der chinesische Online-Modehändler Shein, bekannt für günstige und schnell wechselnde Kollektionen, steht kurz vor seinem Börsendebüt in Hongkong. Im Vorfeld legte das Unternehmen erstmals detaillierte Geschäftszahlen offen, die bei Investoren wenig Euphorie auslösen dürften. Stattdessen offenbaren die Zahlen eine deutliche Schwäche: Im ersten Quartal 2026 verbuchte Shein einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar (etwa 86,8 Millionen Euro).

Schwache Quartalszahlen

Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 395 Millionen Dollar erzielt. Der Konzernumsatz stieg lediglich um 1,1 Prozent auf 9,05 Milliarden Dollar. Damit wächst Shein deutlich langsamer als in den Vorjahren, in denen die Erlöse jährlich um rund 14 Prozent zulegten. 2025 hatte Shein einen Umsatz von 41,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet.

Das Unternehmen warnte in seiner Mitteilung an die Hongkonger Börse, dass es keine Zusicherung gebe, künftig profitabel zu bleiben. Die Geschäftstätigkeit sei mit Risiken verbunden, „von denen viele außerhalb unserer Kontrolle liegen“, erklärte Shein mit Sitz in Singapur.

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Risiken durch Zölle und Regulierungen

Zu diesen externen Risiken zählt Shein internationale Spannungen, die sich auf die Handelspolitik auswirken, sowie staatliche Regulierungen. Konkret nannte das Unternehmen die Aufhebung der „De-Minimis“-Regelung in den USA, die zollfreie Pakete bis zu einem bestimmten Wert ermöglichte. Dies habe zu steigenden Kosten geführt. Auch in der Europäischen Union werden inzwischen Zölle auf Billiglieferungen aus Asien erhoben. Shein erklärte, die Auswirkungen in Europa könnten „im Großen und Ganzen den in den Vereinigten Staaten beobachteten Auswirkungen entsprechen oder diese sogar übersteigen“.

Um die höheren Kosten auszugleichen, prüft Shein „eine breite Palette von Optionen, einschließlich Preiserhöhungen in den USA“. Europa trägt inzwischen mehr als 35 Prozent zum Konzernumsatz bei, was die Region zu einem entscheidenden Markt macht.

Wachstum und Bewertung

Shein betreibt keine eigenen Fabriken, sondern arbeitet mit Tausenden chinesischen Subunternehmern zusammen. Die Ware wird meist per Flugzeug verschifft. Der Irankrieg und gestiegene Rohölpreise haben in den vergangenen Monaten Druck auf die Logistikkosten ausgeübt, doch Shein verwies auf langfristige Frachtvereinbarungen, die ausreichende Kapazitäten sicherten. Die Geschäftsführung sieht durch den Konflikt keine wesentlichen Auswirkungen auf das Geschäft.

Die Bewertung des Unternehmens ist stark gefallen: Während einer Finanzierungsrunde 2022 war Shein noch mit rund 98 Milliarden Dollar bewertet worden. Nach dem Ende des Onlinehandels-Booms und wachsender Kritik an den Geschäftspraktiken schrumpfte die Bewertung auf 64 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Insidern zufolge peilt Shein für den Börsengang eine Marktkapitalisierung zwischen 40 und 50 Milliarden Dollar an.

Börsengang bleibt ungewiss

Ein genaues Datum für die Erstnotiz in Hongkong steht noch nicht fest. Die schwachen Zahlen dürften die Befürchtungen von Investoren verstärken, dass Sheins rasanter Aufstieg durch höhere Handelskosten, verstärkte behördliche Kontrollen und den wachsenden Wettbewerb im globalen E-Commerce gebremst wird. Asiatische Shoppingplattformen wie Shein, Temu und AliExpress gewinnen in Deutschland zwar an Bedeutung, stehen aber wegen Produktqualität, mangelnder Kontrollen und unfairer Wettbewerbsbedingungen in der Kritik.

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