Rekordzahlen, aber Kursverfall: Die paradoxe Lage bei SK Hynix
Der südkoreanische Speicherchip-Hersteller SK Hynix hat im zweiten Quartal 2026 erneut einen Rekordgewinn erzielt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um 51 Prozent auf 79,3 Billionen Won (47,9 Milliarden Euro) – ein Plus von 257 Prozent zum Vorjahr. Der operative Gewinn kletterte um 61 Prozent auf 60,5 Billionen Won (37 Milliarden Euro), die operative Marge erreichte mit 76 Prozent fast das Doppelte des Vorjahreswerts. Dennoch sackte der Aktienkurs nach anfänglichem Anstieg um 8,3 Prozent auf 1,42 Millionen Won (858 Euro) ab. Grund sind wachsende Zweifel am KI-Boom und die Angst vor Überinvestitionen.
Produktionsengpässe treiben Preise und Gewinne
Der Umsatzanstieg wurde laut Unternehmensangaben vor allem durch die anhaltende Knappheit an Speicherchips für KI-Anwendungen getrieben. „Wir können nicht genug Chips produzieren, um die Nachfrage zu decken“, erklärte ein Sprecher. Der Mangel ließ die Preise zusätzlich steigen. Der Nettogewinn schoss dank eines Sondergewinns aus dem Verkauf von Anteilen am japanischen Hersteller Kioxia um 1242 Prozent auf 93,9 Billionen Won (57 Milliarden Euro) in die Höhe. Trotz der Rekorde blieben die Ergebnisse leicht unter den Markterwartungen.
Optimistischer Ausblick kann Anleger nicht beruhigen
Präsident des „Corporate Center“, Song Hyeon-jong, betonte im Investorencall: „Da sich KI über verschiedenste Dienste hinweg ausbreitet – Suche, Coding, Produktivitätswerkzeuge –, weitet sich auch die Nachfrage aus Speicherperspektive aus.“ Er gehe nicht davon aus, dass effizientere Modelle oder Preissenkungen die Gesamtnachfrage schmälerten, sondern die Nutzerbasis erweiterten. „Große Technologiekunden weiten ihre Infrastrukturinvestitionen angesichts steigender Nutzung von KI-Diensten und knapper Rechenkapazitäten weiter aus.“ Tatsächlich fragten die wichtigsten Kunden weiterhin mehr Speicherkapazität nach. Eine kurzfristige Verbesserung des Angebots-Nachfrage-Gleichgewichts erscheine schwierig.
Doch der Markt zweifelt: Überinvestitionen und China-Erfolge
Trotz dieser Prognosen bleibt die Skepsis an den Börsen groß. Der Aktienkurs von SK Hynix hatte sich zwischen Ende März und dem 22. Juni mehr als verdreifacht, brach dann aber um 52 Prozent ein. Hintergrund sind Befürchtungen, dass die Milliardeninvestitionen der US-Konzerne in KI-Rechenzentren sich nicht auszahlen. Zudem sorgen chinesische Rivalen für Unruhe: Das Start-up Moonshot stellte mit Kimi K3 ein Modell vor, das in Benchmarks mit US-Spitzenmodellen mithält und günstiger ist. Auch der Börsengang des chinesischen Speicherchip-Herstellers CXMT wurde gefeiert. Hinzu kommt die Meldung, dass ein chinesisches Unternehmen die Produktion eigener Immersions-Lithografieanlagen im Tief-Ultraviolettbereich aufgenommen hat – bisher ein Monopol des Niederländers ASML, der wegen Exportbeschränkungen keine modernsten Anlagen nach China liefern durfte. Damit könnten chinesische Hersteller bald auch hochkomplexe KI-Speicherchips fertigen.
Steigende Kosten und aggressive Konkurrenz
Die Kosten für neue Speicherchipwerke steigen weiter. SK Hynix hat seine Investitionen für 2026 auf über 40 Billionen Won erhöht. Grund sind die immer komplexeren High-Bandwidth-Memory-Chips, die aus gestapelten Halbleitern bestehen – je mehr Ebenen, desto teurer die Produktion. Lokalrivale Samsung Electronics, der am Donnerstag seine Rekordbilanz vorlegen wird, drängt bei dieser Technik nach vorn. SK Hynix verspricht einen Balanceakt: die Führungsposition stärken und gleichzeitig Stabilität und Profitabilität sichern. Das Unternehmen setzt auf flexible Reaktion auf Nachfrageschwankungen und langfristige Liefervereinbarungen. Erst kürzlich schloss es auf einem amerikanisch-koreanischen KI-Gipfel Abnahmevereinbarungen über 750 Milliarden Dollar für die nächsten fünf Jahre ab.
Analysten bleiben optimistisch – der Markt sucht den Boden
Die meisten Analysten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf: Von 37 Analysten sehen 25 SK Hynix als „Strong Buy“, weitere zehn als „Buy“. Auch TSMC, der größte Auftragsfertiger, hatte eine Chipknappheit bis 2030 vorhergesagt. Dennoch ist die Stimmung an den Börsen gedrückt. Die Anleger suchen noch nach dem Boden. Aktuell ist SK Hynix noch immer 40 Prozent mehr wert als Ende März 2026. Ob die Rekordgewinne die Kurse wieder nach oben treiben können, bleibt abzuwarten.



