Der Kurssturz der SpaceX-Aktie um mehr als 40 Prozent seit dem Rekord-Börsengang im Juni kommt für viele ETF-Anleger gerade noch rechtzeitig. Denn obwohl die Anteilsscheine massiv an Wert verloren haben, ist die Wirkung auf die Fonds bislang minimal. Grund dafür ist die geringe Gewichtung des Raumfahrtkonzerns in den Indizes – ein Umstand, der sich jedoch in den kommenden Monaten drastisch ändern dürfte.
Rekord-Börsengang und dramatischer Kursverlauf
Am 12. Juni 2026 feierte SpaceX sein Debüt an der Börse. Der Ausgabekurs lag bei 135 Dollar. Innerhalb weniger Tage schoss der Kurs auf über 200 Dollar empor – ein Plus von rund 70 Prozent. Dann folgte der Absturz: Inzwischen notiert die Aktie bei weniger als 120 Dollar, ein Minus von mehr als 40 Prozent gegenüber dem Höchststand. Viele Experten hatten vor einer Überhitzung gewarnt, insbesondere weil der Börsenbetreiber Nasdaq sowie der Indexanbieter MSCI die Regeln für ihre Leitindizes kurzfristig änderten, um SpaceX schnell aufnehmen zu können.
ETFs mussten teuer kaufen
Passive Aktienfonds, die strikt nach diesen Indizes gewichten, waren gezwungen, die SpaceX-Aktie zu den hohen Kursen zu erwerben. Das traf Millionen von ETF-Sparern, die über beliebte Fonds wie den MSCI World oder den Nasdaq 100 in SpaceX investiert waren. Der Zeitpunkt der Aufnahme war ungünstig: Die Aktie befand sich auf ihrem Höhepunkt, als die Fonds zuschlugen.
„Die übereilte Aufnahme durch die Index-Anbieter hat dazu geführt, dass Anleger zum schlechtestmöglichen Zeitpunkt eingestiegen sind“, kommentierte ein Marktexperte gegenüber der Nachrichtenagentur. „Der Kurssturz war absehbar, weil das Angebot an SpaceX-Aktien zunächst extrem begrenzt war – weniger als fünf Prozent der Anteile wurden beim Börsengang in den Streubesitz gegeben.“ Das schaffte ideale Bedingungen für Spekulanten, die die Aktien kurz nach der Emission aufkauften, um sie später zu Höchstpreisen an die Fonds weiterzuverkaufen.
Geringe Gewichtung schützt vor Verlusten
Trotz des massiven Kursrückgangs ist die finanzielle Einbuße für ETF-Anleger bislang verschwindend gering. Der Grund: SpaceX hat in den meisten Indizes nur ein kleines Gewicht. Im MSCI World Index etwa betrug der Anteil zu Beginn des Monats gerade einmal 0,09 Prozent. Ein Kursverlust von über 40 Prozent drückt den Gesamtwert eines solchen ETFs daher um weniger als 0,04 Prozent. Anders sieht es beim Nasdaq 100 aus: Hier liegt die Gewichtung bei 1,3 Prozent, weshalb Anleger den Verlust stärker spüren.
Steigender Streubesitz als Risiko und Chance
Doch die Schonfrist könnte bald vorbei sein. Am 6. August endet eine erste Sperrfrist für einige institutionelle Investoren, die dann ihre Anteile verkaufen dürfen. Weitere Lock-up-Fristen folgen noch im August und September. Bis Jahresende könnte der Streubesitz von derzeit unter fünf Prozent auf bis zu 40 Prozent ansteigen. Auch die Anteile von Elon Musk selbst werden 2027 frei handelbar, wobei er angekündigt hat, keine substanziellen Stücke abzugeben.
Mit zunehmendem Streubesitz wird SpaceX in den Indizes automatisch höher gewichtet. ETFs müssen dann bei jeder Freigabe neuer Aktien nachkaufen. Der aktuelle Kursrückgang verhindert, dass die Fonds noch größere Mengen zu Höchstpreisen erwerben. Ein vergleichbarer Kurseinbruch im kommenden Jahr würde die Anleger allerdings deutlich härter treffen, da der Aktienanteil dann ein Vielfaches des heutigen betragen könnte.
Fazit: Früher Kurssturz ist ein Vorteil
Für momentane ETF-Sparer erweist sich der rasche Kursrutsch somit als paradoxer Glücksfall: Er mindert die Verluste, die bei einer späteren Index-Aufnahme noch größer ausgefallen wären. Gleichzeitig warnt die Erfahrung vor den Risiken passiver Anlagestrategien, wenn Indizes aus Prestigegründen Aktien überhastet integrieren. Anleger sollten die weiteren Entwicklungen bei SpaceX im Auge behalten – insbesondere die anstehenden Aktienfreigaben und die mögliche Aufnahme in noch mehr Indizes.



