Der Schiffsverkehr durch die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandab ist nach Angriffen der jemenitischen Huthi-Miliz auf saudische Ölanlagen massiv zurückgegangen. Laut Daten des Analysehauses Kpler durchquerten am Sonntag nur elf Handelsschiffe die Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden – der niedrigste Wert seit mehreren Monaten. Der Rückgang betrifft vor den Öltanker: Sieben der elf Schiffe waren Tanker, darunter zwei sehr große Rohöltanker (VLCC) auf dem Weg zum saudischen Hafen Janbu sowie ein Schiff mit Verbindungen nach Russland. Vier Schiffe verließen das Rote Meer, darunter ein VLCC unter der Flagge Hongkongs mit zwei Millionen Barrel saudischem und emiratischem Rohöl für China.
Huthi-Angriffe und Drohungen
Die Huthi-Miliz im Jemen hatte am Samstag Anlagen des saudischen Staatskonzerns Aramco in den Städten Dschisan und Janbu angegriffen. Ein Militärsprecher der Gruppe drohte in einer Videoerklärung mit einer „Eskalation in den kommenden Stunden und Tagen“. Am Sonntag erklärte Huthi-Sprecher Jahja Saree, man habe eine saudische Drohne türkischer Produktion abgeschossen, die auf „feindlicher Mission“ unterwegs gewesen sei. Saudi-Arabien hatte zuvor in der Nacht zu Samstag als Vergeltung Ziele im Jemen attackiert.
Iran ruft zu Dialog auf
Angesichts der zunehmenden Spannungen rief Irans Außenminister Abbas Araghtschi zum Dialog auf. Es gebe „keine militärische Lösung“ für den Konflikt im Jemen und um die Meerenge Bab al-Mandab, sagte er der staatlichen Zeitung „Iran Daily“. Die Entwicklung könne nicht dem Iran zugeschrieben werden, sondern wurzele in alten Streitigkeiten zwischen dem Jemen und Saudi-Arabien. Der Jemen ist seit über einem Jahrzehnt Schauplatz eines bewaffneten Konflikts, bei dem Saudi-Arabien seit 2015 die international anerkannte Regierung gegen die vom Iran unterstützten Huthis unterstützt.
Ölpreis trotz Spannungen rückläufig
Überraschenderweise hatte die angespannte Exportlage in Saudi-Arabien bislang keine negativen Auswirkungen auf den Ölpreis. Im Gegenteil: Zu Beginn des asiatischen Handels am Montag gaben die Preise für Brent und WTI um mehr als fünf Prozent nach. Hintergrund ist eine Kampfpause zwischen den USA und dem Iran. Nach 13 Nächten mit Angriffen auf Ziele im Iran flog das US-Militär am Wochenende keine neuen Attacken. Die iranische Armee kündigte daraufhin an, ihre Angriffe in der Region ebenfalls einzustellen. US-Präsident Donald Trump erklärte, Washington spreche derzeit mit Teheran, das in den Verhandlungen „von Tag zu Tag ernsthafter“ werde.
Der Rückgang des Schiffsverkehrs durch Bab al-Mandab bleibt dennoch ein Warnsignal für die globale Ölversorgung. Die Meerenge ist eine der wichtigsten Öltransitrouten weltweit; etwa ein Drittel des weltweiten Rohöls passiert sie. Sollten die Huthis ihre Angriffe fortsetzen, könnte die Lage weiter eskalieren und den Ölpreis doch noch in die Höhe treiben.



