Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2026 erstmals seit langem wieder einen Gewinn erzielt. Der bundeseigene Konzern verbuchte unterm Strich ein Plus von 147 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Der Umsatz stieg leicht um 1,8 Prozent auf 13,6 Milliarden Euro. Zugleich nutzten die Fahrgäste mit rund 960 Millionen Fahrten 1,8 Prozent häufiger die Züge als im Vorjahreszeitraum. Die Konzernführung erwartet auch für das Gesamtjahr schwarze Zahlen.
Bahnchefin Palla: „Wichtiger Meilenstein“
Bahnchefin Evelyn Palla zeigte sich erfreut über die Entwicklung. „Ich freue mich sehr über diesen wichtigen Meilenstein, aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt“, sagte sie laut Mitteilung. Die Bahn und der Bund investieren derzeit jährlich viele Milliarden Euro in die Sanierung des überalterten und überlasteten Schienennetzes. Bei der Pünktlichkeit hinkt der Konzern weiter hinter den eigenen Zielen her, auch die Zustandsnote des Netzes verbesserte sich zuletzt nicht.
Palla hatte im vergangenen Jahr die Konzernstrategie „DB 2035“ eingeleitet, die einen umfassenden Umbau, Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen vorsieht. Im Fernverkehr läuft ein eigenes Sanierungsprogramm. Branchenkenner bewerten die neue Strategie als tiefgreifender als frühere Umbauversuche unter Pallas Vorgänger Richard Lutz.
Verkehrsminister Bilger fordert schnellere Fortschritte
Der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) kündigte an, noch am Donnerstag Bahnchefin Palla sowie die Vorsitzenden der Gewerkschaften zu treffen. Im ARD-Morgenmagazin nannte er die Halbjahreszahlen und drängte auf schnellere Verbesserungen für die Fahrgäste. „Ich kann jetzt nicht als neuer Minister sagen, ich will einfach mehr, wenn es nicht möglich sein sollte“, erklärte Bilger im „Frühstart“ von ntv/RTL. „Aber gemeinsam mit der Bahn müssen wir dran arbeiten, dass wir schneller besser werden, auch was die Pünktlichkeitswerte anbelangt.“
Sorgenkinder Güter- und Fernverkehr
Während der Fernverkehr nach Verlusten im Vorjahr wieder einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) erzielte, bleibt die Güterverkehrssparte DB Cargo in der Verlustzone – mit rund einer Million Euro Minus. Die Bahn betonte jedoch, dass die schwarze Null zum Greifen nah sei. DB Cargo muss ab diesem Jahr wieder Gewinne schreiben, sonst drohen Konsequenzen der EU-Kommission.
Die Schulden des Konzerns stiegen aufgrund hoher Investitionen ins Netz um rund eine Milliarde auf 21,6 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte die Bahn durch den Verkauf der profitablen Logistiktochter Schenker einen großen Teil ihrer Verbindlichkeiten abbauen können. Nun steigt die Verschuldung wieder.
Hintergrund: Jahrelange Krise
Die Bahn steckt seit Jahren in der Krise, sowohl betrieblich als auch wirtschaftlich. Im Gesamtjahr 2025 hatte der Konzern unter dem Strich einen Verlust von rund 2,3 Milliarden Euro verbucht, vor allem wegen hoher Abschreibungen im Fernverkehr. Die nun vorgelegten Halbjahreszahlen signalisieren eine Wende, doch die strukturellen Probleme bleiben. Palla selbst räumt ein, dass es noch zehn Jahre dauern werde, bis der Bahnverkehr wieder zuverlässig und stabil läuft.



