In Förderstedt im Salzlandkreis entsteht einer der größten Batteriespeicher Deutschlands. Reihen weißer Batteriecontainer prägen bereits das Gelände nördlich des Ortes. Äußerlich ist das Projekt nahezu fertig, in den kommenden Wochen beginnt die technische Anbindung des ersten Bauabschnitts. Dieser soll noch in diesem Jahr in Betrieb gehen, die Gesamtanlage im Jahr 2027 fertiggestellt sein. Der Speicher wird eine Leistung von 300 Megawatt und eine Speicherkapazität von mehr als 700 Megawattstunden erreichen – rechnerisch genug, um rund 500.000 Haushalte für zwei Stunden mit Strom zu versorgen.
Warum Großspeicher gebraucht werden
Der Boom solcher Anlagen hat einen einfachen Grund: Windräder und Solaranlagen liefern Strom nicht immer dann, wenn er benötigt wird. An sonnigen oder windreichen Tagen entsteht oft mehr Energie als verbraucht werden kann. Kann dieser Strom weder gespeichert noch über das Netz abtransportiert werden, müssen Wind- und Solaranlagen zeitweise gedrosselt werden. Batteriespeicher nehmen diesen Überschuss auf und geben ihn später wieder ab. Zudem reagieren sie innerhalb von Sekunden auf Schwankungen im Stromnetz und helfen, Frequenz und Spannung stabil zu halten. Je mehr Wind- und Solarstrom erzeugt wird, desto wichtiger werden Speicher, um Erzeugung und Verbrauch zeitlich zu entkoppeln.
Warum sich Großspeicher inzwischen rechnen
Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Anreiz: Betreiber können Strom dann speichern, wenn viel davon im Netz und der Preis niedrig ist, und ihn später verkaufen, wenn die Nachfrage steigt. Gleichzeitig können die Anlagen Dienstleistungen für das Stromnetz übernehmen und zusätzliche Einnahmen erzielen. Sinkende Batteriepreise und der schnelle Ausbau der erneuerbaren Energien haben dazu geführt, dass bundesweit immer mehr Großspeicher geplant oder gebaut werden. Nach Daten der RWTH Aachen sind inzwischen 545 Großspeicher in Deutschland in Betrieb. Weitere Anlagen mit einer Speicherkapazität von mehr als 30 Gigawattstunden sollen bis Herbst 2029 hinzukommen.
Sachsen-Anhalt wird zum Speicherstandort
Auch Sachsen-Anhalt entwickelt sich zu einem Schwerpunkt dieses Ausbaus. Neben Förderstedt entsteht in Klostermansfeld im Landkreis Mansfeld-Südharz ein weiterer Großspeicher, der nach Angaben des Betreibers nach seiner Fertigstellung der größte Deutschlands werden soll. „Mit dem Ausbau von Batteriespeichern schaffen wir die notwendige Flexibilität für ein Stromsystem, das immer stärker auf Wind- und Solarenergie basiert“, sagte Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD). Überschüssige Strommengen könnten so besser genutzt werden, anstatt Wind- und Solaranlagen bei einem Überangebot abzuregeln.
Eco-Stor-Geschäftsführer Georg Gallmetzer betonte die Bedeutung des Projekts: „Mit Förderstedt entsteht weit mehr als ein weiterer Batteriespeicher. Das Projekt steht beispielhaft für eine neue Generation privat finanzierter Energieinfrastruktur.“ Dass der Speicher erfolgreich finanziert und langfristig vermarktet werden konnte, zeige, dass große Batteriespeicher heute wirtschaftlich betrieben werden können. Förderstedt gilt damit als eines der ersten sichtbaren Beispiele für den beschleunigten Ausbau großer Batteriespeicher im Land. Mit dem technischen Anschluss des ersten Bauabschnitts beginnt nun der Übergang von der Baustelle in den regulären Betrieb – ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem Stromsystem, das erneuerbare Energien flexibler nutzt.



