Ungarn hat wegen der anhaltenden Dürre den Betrieb im Atomkraftwerk Paks vorübergehend einschränken müssen. Aufgrund des extrem niedrigen Wasserstands der Donau kann das Kraftwerk nicht ausreichend gekühlt werden. Einer der vier Reaktorblöcke wurde vom Netz genommen, die Leistung der übrigen Blöcke wurde reduziert. Paks erzeugt normalerweise rund 40 Prozent des ungarischen Stroms – ein Ausfall trifft das Land hart.
Rekordtief am Fluss
Die Donau führt so wenig Wasser wie seit Jahren nicht. In Budapest fiel der Pegel auf unter 50 Zentimeter und liegt damit weit unter dem langjährigen Mittel. Für das AKW ist das eine doppelte Gefahr: Zum einen sinkt die Kühlwassermenge, zum anderen steigt die Wassertemperatur, weil der Fluss weniger Wasseraustausch hat. Bei zu warmem Wasser dürfen die Betreiber die Abwärme nicht mehr unbegrenzt einleiten, da sonst die Umwelt geschädigt wird. Deshalb müssen Reaktoren heruntergefahren werden, wie es Physiker und Ingenieure schon seit Jahren vorhersagen.
Die ungarische Regierung hat den Notstand für mehrere Regionen ausgerufen. Neben der Stromversorgung leidet auch die Landwirtschaft. Die Ernte von Mais und Sonnenblumen wird voraussichtlich um ein Viertel geringer ausfallen. Die Binnenschifffahrt auf der Donau ist nahezu zum Erliegen gekommen, viele Frachtschiffe können die Fahrrinne nicht mehr passieren.
Steigende Strompreise und Lieferprobleme
Die Abschaltung des AKW hinterlässt bereits Spuren auf dem Strommarkt. Die Großhandelspreise für Elektrizität sind innerhalb einer Woche um über 30 Prozent gestiegen. Energieversorger haben angekündigt, die Tarife für Verbraucher anzupassen. Industriebetriebe müssen ihre Produktion drosseln, weil die Netzfrequenz nur noch durch Importe stabilisiert werden kann. Ungarn arbeitet daran, zusätzliche Strommengen aus Österreich und der Slowakei zu importieren, doch auch dort sinken die Kapazitäten, weil Flüsse wie Donau und Elbe ebenfalls Niedrigwasser führen.
Die Lage macht deutlich, wie anfällig die Energieversorgung gegenüber dem Klimawandel ist. Kernkraftwerke gelten zwar als CO2-arm, sind aber auf massive Kühlung angewiesen. Frankreich musste in diesem Sommer bereits mehrere Atomreaktoren abschalten, weil die Flüsse zu warm waren. Deutschland hat den Atomausstieg besiegelt und baut erneuerbare Energien aus – doch auch Wind- und Solarstrom liefern bei Extremwetter nicht zuverlässig genug.
Kann Paks noch rechtzeitig zurückkommen?
Der Betreiber des AKW Paks hofft, die Anlage wieder hochfahren zu können, sobald die Donau wieder mehr Wasser führt. Meteorologen erwarten allerdings für die kommenden Wochen keine nennenswerten Niederschläge. Die Regierung in Budapest plant technische Notmaßnahmen: Baggerschiffe sollen die Fahrrinne vertiefen, und aus Stauseen soll zusätzliches Wasser abgelassen werden. Damit lässt sich der Pegel aber nur kurzfristig stabilisieren, nicht für längere Zeit.
Die Zukunft der Atomenergie in Ungarn steht damit in Frage. Geplant war der Bau zweier neuer Reaktorblöcke am Standort Paks, die von russischen Unternehmen geliefert werden sollten. Angesichts der wiederkehrenden Dürren bezweifeln Experten, ob diese Investition sinnvoll ist. Erneuerbare Energien, aber auch Gaskraftwerke als Reserve würden an Bedeutung gewinnen. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob Ungarn die Stromlücke überbrücken kann oder ob es zu gezielten Abschaltungen in der Industrie kommen muss.



