Die Diskussion um die Kraftwerksstrategie von Wirtschaftsministerin Reiche nimmt an Fahrt auf. Klimaschützer argumentieren, dass viele der geplanten Gaskraftwerke durch Batteriespeicher ersetzt werden könnten. Sie stützen sich dabei auf Angaben über Dauer und Häufigkeit von sogenannten Dunkelflauten – Zeiten, in denen Wind- und Solarenergie kaum Strom liefern. Doch diese Darstellung ist irreführend, wie eine Analyse der tatsächlichen Daten zeigt.
Was ist eine Dunkelflaute?
Eine Dunkelflaute beschreibt eine mehrtägige Phase, in der weder Windkraft noch Solarenergie nennenswerte Strommengen produzieren. Solche Ereignisse treten vor allem im Winter auf, wenn die Nachfrage nach Heizstrom hoch ist. Die Kritiker der Kraftwerksstrategie behaupten, dass Dunkelflauten selten und kurz seien – maximal zwei bis drei Tage. Doch die Realität sieht anders aus.
Die wahren Zahlen
Eine Auswertung der letzten zehn Jahre zeigt: Dunkelflauten dauern im Durchschnitt fünf bis sieben Tage, in Extremfällen sogar bis zu zwei Wochen. In den Wintern 2021/2022 gab es drei Phasen mit über zehn Tagen Dauer. Die Häufigkeit hat zugenommen: Während es in den 2010er Jahren etwa zwei bis drei Ereignisse pro Winter gab, sind es heute fünf bis sechs.
Batteriespeicher, so die Befürworter, könnten diese Lücken überbrücken. Doch die Rechnung geht nicht auf: Ein typischer Batteriespeicher mit einer Kapazität von 100 Megawattstunden kann bei einer Dunkelflaute von fünf Tagen nur einen Bruchteil des Bedarfs decken. Um eine einzige Dunkelflaute zu überbrücken, wären Speicher mit einer Kapazität von mehreren Gigawattstunden nötig – und das für jede Region Deutschlands.
Die Kostenfrage
Die Kosten für solche Megaspeicher wären enorm. Aktuelle Schätzungen gehen von 500 bis 800 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität aus. Für einen Speicher, der eine Woche lang ganz Deutschland versorgen könnte, läge der Preis im zweistelligen Milliardenbereich. Gaskraftwerke hingegen sind deutlich günstiger und können flexibel hochgefahren werden.
Hinzu kommt: Batterien speichern Strom, produzieren aber keinen. Bei einer Dunkelflaute müsste der Strom vorher aus erneuerbaren Quellen kommen – und zwar in ausreichender Menge. Das ist bei der aktuellen Ausbauplanung nicht sichergestellt. Gaskraftwerke hingegen können auch dann laufen, wenn kein Wind weht und die Sonne nicht scheint.
Die Rolle der Politik
Wirtschaftsministerin Reiche verteidigt ihre Strategie: „Wir brauchen eine gesicherte Leistung, die auch in Extremsituationen zur Verfügung steht. Batterien sind eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für flexible Kraftwerke.“ Die Opposition kritisiert hingegen die hohen Kosten für die Gaskraftwerke und fordert mehr Investitionen in Speichertechnologien.
Die Debatte zeigt: Die Energiewende ist komplex und erfordert einen Mix aus verschiedenen Technologien. Die gefährliche Erzählung von der harmlosen Dunkelflaute verkennt die Realität und könnte die Versorgungssicherheit gefährden. Es ist Zeit für eine faktenbasierte Diskussion.



