Kommentar: Die drohende Energiekatastrophe wird jede Woche wahrscheinlicher
Der Ölpreis notiert aktuell bei rund 90 Dollar pro Barrel und damit mehr als zehn Prozent niedriger als noch vor einem Monat. Auf den ersten Blick erscheint dies unverständlich, denn die grundlegende Situation hat sich nicht verbessert: Die Straße von Hormus ist weiterhin blockiert, und die Golfstaaten haben ihre Fördermenge drastisch reduziert.
Es werden fast elf Millionen Barrel pro Tag weniger gefördert als vor dem Krieg. Die Großbank UBS schätzt das Defizit auf dem Ölmarkt auf rund 6,7 Millionen Barrel im laufenden Quartal. Dies geschieht, obwohl derzeit noch in großem Umfang Lagerbestände abgebaut werden, insbesondere in China.
Diese strategischen Reserven werden jedoch bald erschöpft sein. Jede Woche, die ohne eine Öffnung der Straße von Hormus vergeht, bringt uns einer katastrophalen Energiekrise näher. In wenigen Wochen könnten die Öllager einen kritischen Punkt erreichen. Spätestens dann dürften die Preise wieder explodieren und sogar die Marke von 150 Dollar pro Barrel überschreiten.
Der Markt verhält sich derzeit wie die Protagonisten aus dem Hollywoodfilm „Don’t Look Up“. In diesem Streifen warnen zwei Wissenschaftler, dass in wenigen Monaten ein Asteroid die Erde zerstören wird. Zunächst ist die Öffentlichkeit alarmiert, doch dann entscheiden sich die Menschen, den Astronomen nicht zu glauben, und leben ihren Alltag einfach weiter. Die Realität holt uns jedoch ein – und zwar schneller, als vielen lieb ist.
Die Fakten sprechen eine klare Sprache: Täglich passieren nur noch zwei bis drei Schiffe mit Öl die Meerenge. Selbst eine sofortige Öffnung könnte die Krise nicht mehr abwenden. Die Zeit drängt, und die Politik muss jetzt handeln, um das Schlimmste zu verhindern.



