Bevh: Starre Regelungen passen nicht zur Lebensrealität
Der E-Commerce-Verband Bevh hat sich für flexiblere Sonntagsöffnungen im stationären Einzelhandel ausgesprochen. Hauptgeschäftsführerin Alien Mulyk sagte: „Starre Regelungen passen nicht mehr zu den Bedürfnissen und der Lebensrealität. Verbraucherinnen und Verbraucher müssen selbst entscheiden können, wann und wie sie einkaufen.“ Sie betonte, dass der Onlinehandel durch die bestehenden Regeln zwar Vorteile habe, eine Änderung sich für die Branche jedoch nicht nachteilig auswirken würde. Eine Arbeitsorganisation, die Flexibilität ermögliche und zugleich verlässliche Standards für Beschäftigte wahre, müsse Teil der Debatte sein.
HDE: Der Sonntag hat sich verändert
Auch der Handelsverband Deutschland (HDE) setzt sich für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ein. Hauptgeschäftsführer Stefan Genth erklärte: „Der Sonntag hat sich verändert. Für viele Menschen ist er ein Tag der Freizeit, an dem Gastronomie, Kultur- und Freizeiteinrichtungen selbstverständlich geöffnet sind. Der Einzelhandel hingegen bleibt im Regelfall außen vor.“ Der Verband fordert einen verlässlichen und rechtssicheren Rahmen für Öffnungen an einigen Sonntagen im Jahr. Onlinehändler dürften bereits sonntags ihre Ware anbieten; dann müsse das auch für den heimischen Einzelhandel möglich sein. In vielen EU-Staaten wie Italien und Frankreich seien Sonntagsöffnungen deutlich flexibler geregelt.
DIHK: Grundgesetzänderung gefordert
Der Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Peter Adrian, sprach sich für eine Grundgesetzänderung aus, um die Rechtslage für verkaufsoffene Sonntage dauerhaft zu klären. Er verwies auf das Bundesverfassungsgerichtsurteil von 2009, das sich auf die Weimarer Reichsverfassung mit der „seelischen Erhebung“ am Sonntag bezog. „Das erscheint mir nicht zeitgemäß“, sagte Adrian den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Verdi lehnt Lockerung ab
Die Gewerkschaft Verdi lehnt eine Lockerung der Sonntagsöffnungen ab. Vorstandsmitglied Silke Zimmer, zuständig für Handel, argumentierte: „Der Sonntag ist für die Beschäftigten der einzige verlässlich planbare freie Tag, an dem Zeit für körperliche und mentale Entlastung in diesem anstrengenden Job bleibt.“
Bevölkerung gespalten: Umfrage zeigt geteilte Meinung
Laut einer repräsentativen YouGov-Befragung unter 4.022 Menschen ab 18 Jahren befürworten 43 Prozent häufigere Sonntagsöffnungen, während 50 Prozent sie ablehnen. 6 Prozent machten keine Angabe. Jüngere und Männer stehen einer Lockerung offener gegenüber als Ältere und Frauen. Im Vergleich zu einer ähnlichen Umfrage vor knapp einem Jahr ist die Ablehnung gesunken: Damals sprachen sich 34 Prozent für häufigere Sonntagsöffnungen aus, 59 Prozent dagegen.
Regelungen variieren in Bundesländern
In Deutschland ist die Sonntagsruhe im Grundgesetz verankert. Die konkreten Regelungen zu Sonntagsöffnungen unterscheiden sich je nach Bundesland. Es ist eine Höchstzahl verkaufsoffener Sonntage vorgegeben, die an einen Anlass geknüpft sein müssen. In Nordrhein-Westfalen und Berlin sind es maximal acht pro Jahr, in Baden-Württemberg drei, in den meisten anderen Ländern vier. Einige Bundesländer haben ihre Gesetze jüngst angepasst: In Schleswig-Holstein ist künftig auf dem Land an Sonn- und Feiertagen Einkaufen in Kleinstsupermärkten ohne Personal erlaubt. In Thüringen gibt es seit einigen Monaten ausdrückliche Regelungen für kleine 24-Stunden-Läden, die sonntags ohne Personal öffnen dürfen.



