Der Logistikspezialist Dachser wächst deutlich schneller als die Konkurrenz. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 7,0 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro – und übertraf damit die eigene Prognose von nur drei Prozent Wachstum für das Gesamtjahr. CEO Burkhard Eling zeigt sich zuversichtlich: „Wir sind überzeugt, dass wir das übererreichen.“ Zum Vergleich: Die sogenannten Logistikweisen, eine Gruppe von Branchenexperten, rechnen für den deutschen Logistikmarkt 2026 lediglich mit einem Plus von 0,5 Prozent.
Antizyklische Kapazitäten als Erfolgsfaktor
Dachser profitiert nach eigenen Angaben von einer konsequenten Investitionsstrategie. „Wir profitieren jetzt zudem davon, dass wir auch in schwächeren Zeiten antizyklisch Kapazitäten aufgebaut haben“, sagt Eling. Dieses Vorgehen zahle sich besonders in volatilen Zeiten aus, wie sie etwa der Irankrieg verursacht habe. Bei Ausbruch des Konflikts sei Dachser sofort in den Krisenmodus gegangen, ähnlich wie während der Coronapandemie. Das Unternehmen habe schnell alternative Routen für Luftfracht umgeleitet. „Das hat sich schnell eingespielt“, so Eling.
Ein dichtes Netzwerk mit vielen Ausweichmöglichkeiten sorge für Resilienz. Dieses Netzwerk werde kontinuierlich ausgebaut. Ein aktuelles Beispiel ist das neue Logistikzentrum in Marokko – die bislang größte Investition des Konzerns außerhalb Europas.
Marokko: Boomender Nearshoring-Standort
Das neue Zentrum nahe Tanger soll zunächst den Handel zwischen Marokko und der EU abwickeln. „Auf längere Sicht kann es aber auch zur Drehscheibe für den Handel Europas mit Westafrika werden“, prognostiziert M’hamed Chraibi, Dachsers Geschäftsführer in Marokko. Bereits heute zeigt sich der Markt dynamisch: Zwischen 2018 und 2024 hat sich der Umsatz von Dachser in Marokko verdreifacht. Der Markt wachse aktuell um zehn bis 15 Prozent pro Jahr. „Dachser wird schneller als der Markt wachsen, weil wir mit dem neuen Hub in Tanger dem Wettbewerb voraus sind“, sagt Chraibi.
Die gesamte Logistikbranche richtet ihren Blick auf das nordafrikanische Land. Der Außenhandel zwischen Deutschland und Marokko erreichte 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes einen Rekordwert von 7,4 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie 2021. „Wir sind seit 40 Jahren in Marokko. Das hilft uns jetzt, wenn das Land mehr in den Fokus der Kunden rückt“, betont CEO Eling. Marokko werde für viele Branchen als Nearshoring-Standort an Bedeutung gewinnen. Unternehmen wollten ihre Produktionsnetze widerstandsfähiger machen, und Marokko sei stabil.
Marokko habe zudem massiv in Infrastruktur investiert, erklärt Chraibi. Sonderwirtschaftszonen etwa für die Auto- und Luftfahrtindustrie sowie Bahntechnik schaffen attraktive Bedingungen für die Ansiedlung von Fertigungsindustrie. So hätten etwa Kabelproduzenten nach dem russischen Überfall auf die Ukraine Teile ihrer Produktion nach Marokko verlagert.
Finanzielle Stärke für weiteres Wachstum
Das neue Logistikzentrum soll 2027 in Betrieb gehen. Weitere Investitionen sind geplant. Dachser, vor fast 100 Jahren als Transporteur von Milch- und Käseprodukten in Kempten gegründet, beschäftigt heute rund 37.500 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2025 steigerte der Konzern den Umsatz in einem schwierigen Umfeld um drei Prozent auf erstmals 8,3 Milliarden Euro. Das organische Wachstum betrug allerdings nur 0,3 Prozent – der Löwenanteil stammte aus Zukäufen.
Weitere Akquisitionen sind in Planung. „Mit einer Eigenkapitalquote von mehr als 60 Prozent können wir das finanziell auch stemmen“, sagt Eling. Besonders im Bereich Lebensmittellogistik sieht Dachser Nachholbedarf, aber auch in anderen Segmenten seien Zukäufe möglich. Der Logistik-Indikator der Bundesvereinigung Logistik und des Ifo-Instituts habe sich im Juni zwar verbessert, die Stimmung für die kommenden Monate bleibe jedoch getrübt. Dachser geht mit seiner Strategie dennoch zuversichtlich in die zweite Jahreshälfte.



