Der Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft wird oft mit nostalgischen Blicken auf vergangene Industriezweige diskutiert. Friedrich Merz, CDU-Chef und Kanzlerkandidat, sowie Donald Trump, ehemaliger US-Präsident, verbindet nicht nur ein gemeinsames Ziel – sie teilen auch dasselbe Wunschdenken: Ihr Land mit alten Industrien retten zu wollen. Das schreibt SPIEGEL-Kolumnist Michael Sauga in einem aktuellen Kommentar. China hingegen habe längst verstanden, dass die Zukunft in neuen Technologien liegt.
Die Illusion der alten Industrien
Sauga argumentiert, dass sowohl Merz als auch Trump auf eine Renaissance traditioneller Branchen wie Kohle, Stahl oder Verbrennungsmotoren setzen. „Merz und Trump träumen von einer Rückkehr zu vermeintlich goldenen Zeiten“, so der Kolumnist. „Doch diese Zeiten sind unwiederbringlich vorbei.“ Die USA unter Trump versuchten mit Zöllen und Subventionen, Arbeitsplätze in der Kohleindustrie zu retten, während Merz in Deutschland auf eine Verlängerung der Laufzeiten von Kohlekraftwerken und eine Stärkung der Automobilindustrie mit Verbrennungsmotoren setze. Beide Strategien seien zum Scheitern verurteilt, da sie den globalen Wettbewerb und technologischen Fortschritt ignorierten.
China als Vorbild für echten Wandel
Im Gegensatz dazu habe China den Strukturwandel konsequent vorangetrieben. Das Land investiere massiv in Zukunftstechnologien wie künstliche Intelligenz, Elektromobilität und erneuerbare Energien. „China hat verstanden, dass Wohlstand und Arbeitsplätze in der Zukunft nicht durch den Erhalt alter Industrien, sondern durch die Förderung neuer entstehen“, betont Sauga. Während Deutschland und die USA in der Vergangenheit verharrten, baue China seine Wirtschaft um und werde zum globalen Technologieführer. Laut Sauga investiert China jährlich rund 300 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung – mehr als jedes andere Land außer den USA. „Das ist der Preis, den ein Land zahlen muss, um im 21. Jahrhundert wettbewerbsfähig zu bleiben“, so der Kolumnist.
Die Folgen für Deutschland
Die Weigerung, sich von alten Industrien zu lösen, habe bereits negative Auswirkungen. Die deutsche Automobilindustrie verliere Marktanteile an chinesische Hersteller von Elektroautos. Die Energiewende stocke, weil Kohlekraftwerke länger am Netz blieben als geplant. „Deutschland hinkt hinterher, während China die Zukunft gestaltet“, warnt Sauga. Er appelliert an die Politik, den Wandel aktiv zu gestalten, statt ihn zu bekämpfen. „Nur wer neue Industrien aufbaut, kann Wohlstand und Arbeitsplätze sichern.“
Kritik an Merz und Trump
Der Kolumnist übt scharfe Kritik an den beiden Politikern. „Merz und Trump sind Gefangene ihrer eigenen Rhetorik“, schreibt Sauga. „Sie versprechen den Menschen eine Rückkehr in eine heile Welt, die es nie gab – und die es nie wieder geben wird.“ Stattdessen müsse die Politik die Bürger auf den Wandel vorbereiten, etwa durch Umschulungsprogramme und Investitionen in Bildung. „Der Strukturwandel ist keine Bedrohung, sondern eine Chance – wenn man ihn richtig anpackt.“
Fazit
Michael Sauga kommt zu dem Schluss, dass die deutsch-amerikanische Illusion der Industrierettung scheitern wird. „Wer auf alte Industrien setzt, verliert die Zukunft“, so der Kolumnist. China habe gezeigt, wie es geht: mit Weitsicht, Investitionen und dem Mut, sich von Altem zu trennen. Deutschland und die USA sollten diesem Beispiel folgen – bevor es zu spät ist.



