Preissprung nach Tankrabatt-Ende
Die Inflationsrate in Deutschland ist im Juli unerwartet deutlich auf 2,8 Prozent gestiegen. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, liegt die Teuerung damit 0,5 Prozentpunkte über dem Juniwert von 2,3 Prozent. Haupttreiber war das Auslaufen des Tankrabatts, der die Spritpreise im Mai und Juni künstlich verbilligt hatte. Nach Angaben der Bundesbank dämpfte die temporäre Energiesteuersenkung die Inflation um rund 0,25 Prozentpunkte.
Energie und Spritpreise als Inflationstreiber
Die Energiepreise legten im Jahresvergleich um 8,3 Prozent zu, nach 3,4 Prozent im Juni. An den Tankstellen sind Literpreise von über zwei Euro wieder die Regel. In Bayern beispielsweise kosteten Kraftstoffe gut 21 Prozent mehr als im Juli 2025. „Es war klar, dass allein der Wegfall des Tankrabatts zu einem Preissprung von mehr als zehn Prozent bei den Benzinpreisen führen würde“, sagte Daniel Hartmann, Chefökonom des Vermögensverwalters Bantleon, der Nachrichtenagentur Reuters. „Dies wurde nun durch die Daten der Bundesländer bestätigt.“
Die Ölpreise wurden zusätzlich durch den wiederaufgeflammten Nahost-Konflikt nach oben getrieben. Bereits im April hatte der Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs die Teuerungsrate auf 2,9 Prozent steigen lassen – den höchsten Stand seit Januar 2024.
Nahrungsmittel und Dienstleistungen
Nahrungsmittel verteuerten sich im Juli um durchschnittlich 0,4 Prozent. Da viele Erzeuger ihre höheren Energiekosten schrittweise an die Verbraucher weitergeben, könnte dieser Posten in den kommenden Monaten teurer werden. Dienstleistungen wie Versicherungen oder Reisen kosteten 2,9 Prozent mehr, etwas weniger als im Juni mit plus 3,1 Prozent. Die Kerninflation, die schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, lag bei 2,4 Prozent. Insgesamt stiegen die Verbraucherpreise von Juni auf Juli um 0,8 Prozent.
Auswirkungen auf Kaufkraft und Konjunktur
Höhere Teuerungsraten schmälern die Kaufkraft der Verbraucher, was den privaten Konsum bremst – eine wichtige Stütze der Binnenkonjunktur. Ökonomen erwarten, dass die Inflation erst nachhaltig sinkt, wenn der kriegsbedingte Energiepreisanstieg nach der Jahreswende aus dem Vorjahresvergleich herausfällt. „Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen“, warnte EZB-Präsidentin Christine Lagarde kürzlich.
EZB-Leitzinserhöhung erwartet
Volkswirte rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank im September die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Jahr anheben wird. Höhere Zinsen verteuern Kredite und dämpfen die Nachfrage, was die Inflation bremsen kann. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, bei der sie ihr Ziel stabiler Preise und eines stabilen Euro als erreicht ansieht.
Unternehmen zurückhaltender bei Preiserhöhungen
Laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts wollen künftig weniger Unternehmen ihre Preise anheben. Das Barometer für die Preiserwartungen fiel im Juli auf 21,6 Punkte, nach 26,1 Zählern im Juni. „Die künftige Preisentwicklung wird jedoch stark vom weiteren Verlauf des Konflikts im Nahen Osten und den davon abhängigen Energiepreisen beeinflusst“, erklärte Ifo-Forscherin Tiphaine Wibault.



