Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) plant eine drastische Erhöhung der Zinsen für Steuernachzahlungen. Nach einer Kabinettsvorlage, die BILD vorliegt, soll der monatliche Zinssatz für Steuerschulden von 0,15 Prozent auf 0,3 Prozent steigen. Das entspricht einem Jahreszins von 3,6 Prozent statt bisher 1,8 Prozent. Die Neuregelung ist Teil des Jahressteuergesetzes 2026 und soll ab dem 1. Januar 2027 gelten.
Hintergrund der Zinserhöhung
Die Zinsen fallen nicht bei jeder Steuererklärung an, sondern vor allem dann, wenn zwischen dem Ende des Steuerjahres und der Festsetzung durch das Finanzamt eine längere Zeit vergeht. Die Regelung gilt in beide Richtungen: Auch Bürger, die vom Finanzamt Geld zurückerhalten, bekommen künftig höhere Zinsen. Die Bundesregierung begründet die Erhöhung mit der Entwicklung am Zinsmarkt. Nach dem Ende der Niedrigzinsphase seien die Marktzinsen deutlich gestiegen, weshalb auch der steuerliche Zinssatz angepasst werden müsse.
Finanzielle Auswirkungen für den Staat
Der Staat profitiert ebenfalls von der Erhöhung. Bereits 2027 sollen die Mehreinnahmen bei rund 60 Millionen Euro liegen. Für 2031 wird ein Plus von mehr als 600 Millionen Euro erwartet. Diese zusätzlichen Einnahmen kommen Bund, Ländern und Kommunen zugute.
Historische Entwicklung der Steuerzinsen
Bis 2022 galt ein Zinssatz von sechs Prozent pro Jahr. Das Bundesverfassungsgericht erklärte diese Regelung wegen der Niedrigzinsphase für verfassungswidrig. Daraufhin senkte der Gesetzgeber den Zinssatz rückwirkend für Verzinsungszeiträume ab 2019 auf 1,8 Prozent pro Jahr. Nun soll er ab 2027 wieder steigen.



