Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Euro-Zone ist im zweiten Quartal 2026 überraschend stark gestiegen. Wie das EU-Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Düsseldorf mitteilte, legte die Wirtschaftsleistung von April bis Juni um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu. Von Reuters befragte Ökonomen hatten lediglich einen Anstieg von 0,2 Prozent erwartet. Damit drehte die Konjunktur nach einer Stagnation im ersten Quartal (ursprünglich mit minus 0,2 Prozent geschätzt) wieder ins Plus.
Wachstum trotz Iran-Krieg und hoher Ölpreise
Die wirtschaftliche Erholung erfolgt vor dem Hintergrund massiver geopolitischer Spannungen. Die Ende Februar begonnenen Angriffe der USA und Israels auf den Iran haben die Ölpreise zeitweise auf Rekordniveau getrieben. Dies belastete sowohl Unternehmen als auch Verbraucher in der Euro-Zone erheblich. Dennoch konnten mehrere Mitgliedsländer ihre Wirtschaftsleistung steigern. In Deutschland wuchs das BIP um 0,2 Prozent, in Frankreich ebenfalls um 0,2 Prozent. Besonders stark entwickelte sich Spanien mit einem Plus von 0,7 Prozent.
EZB signalisiert mögliche Zinsanhebung im September
Die robusten Zahlen sind auch für die Europäische Zentralbank (EZB) von großer Bedeutung. Zuvor hatten einige Mitglieder des Entscheidungsgremiums befürchtet, dass das recht hohe Zinsniveau im Euro-Raum die Konjunktur zusätzlich abwürgen könnte. Bei ihrer jüngsten Sitzung in der Vorwoche beließ die EZB den Einlagenzins, der für Banken und Sparer im Währungsraum maßgeblich ist, bei 2,25 Prozent. Eine Anhebung könnte jedoch im September erfolgen, wenn der EZB neue Prognosen zur Inflation und Konjunktur vorliegen.
Risiken für die Teuerung bleiben bestehen
Die jüngsten Zahlen ändern nichts an den anhaltenden Risiken für die Preisstabilität. Solange der Iran-Krieg andauert, bleibt die Inflation eine Gefahr. Zwar sind die Rohölpreise deutlich von ihren Höchstständen zu Beginn des Konflikts gefallen, sie verharren aber auf hohem Niveau. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostet derzeit 92,50 Dollar. Dies belastet die Energie- und Transportkosten und könnte die Verbraucherpreise weiter antreiben. Die EZB wird daher genau beobachten, ob sich die Konjunkturerholung verfestigt, bevor sie ihren geldpolitischen Kurs ändert.



