Deutsche Exporte steigen trotz Irankrieg dritten Monat in Folge
Exporte steigen trotz Irankrieg dritten Monat in Folge

Es klingt zunächst nach einer guten Nachricht aus der krisengeplagten Wirtschaft: Die deutschen Exporte sind im April trotz der Belastungen der Weltwirtschaft durch den Irankrieg den dritten Monat in Folge gewachsen. Die Ausfuhren stiegen aufgrund der höheren Nachfrage aus Europa und den USA um 0,9 Prozent zum Vormonat auf 136,6 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im März hatte es ein Plus von 0,3 Prozent und im Februar von 3,6 Prozent gegeben. Die Importe legten im April um 1,2 Prozent auf 122,1 Milliarden Euro zu.

Exporte in die EU steigen, China-Geschäft schwächelt

Die Exporte in die EU-Staaten stiegen um 1,0 Prozent auf 79,1 Milliarden Euro. Die meisten Ausfuhren in ein einzelnes Land gingen erneut in die USA: Dorthin wurden deutsche Waren im Wert von 11,4 Milliarden Euro geliefert, das waren 1,8 Prozent mehr als im Vormonat. Das deutsche China-Geschäft schrumpfte dagegen: Die Ausfuhren in die Volksrepublik sanken um 3,5 Prozent zum Vormonat auf 5,8 Milliarden Euro.

Ökonomen sehen nur einen Hoffnungsschimmer

Die gestiegenen Ausfuhren in andere EU-Staaten seien ein Hoffnungsschimmer, deutete der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien, die Exportzahlen. Allerdings könnten diese derzeit nicht die massive Exportschwäche in die USA und nach China ausgleichen. Besonders Mittelständler litten unter der aggressiven Handelspolitik der USA und der aggressiven Industriepolitik Chinas. „Ohne ein Ende des Krieges und einen Rückgang der Energiepreise dürfte Deutschland keine durchgreifende Konjunkturerholung sehen“, sagte Dullien.

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So ist fraglich, ob der Aufwärtstrend bei den Exporten anhält. Die Stimmung in der deutschen Exportwirtschaft ist laut einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts aktuell so schlecht wie seit über einem Jahr nicht mehr. Grund sei die geopolitische Unsicherheit. Laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) rechnen 29 Prozent der Industriebetriebe mit sinkenden Ausfuhren, nur 19 Prozent mit steigenden. „Die ersten Anzeichen einer Exporterholung zu Jahresbeginn hat der Nahost-Schock zunichtegemacht“, teilte die DIHK mit.

Industrieproduktion stagniert – Baugewerbe als Stütze

Auch in der Industrie gibt es keine Trendwende. Zwar haben die deutschen Unternehmen ihre Produktion im April etwas erhöht. Doch das wird vor allem gestützt von einer besseren Entwicklung im Baugewerbe. Dort gab es einen Anstieg der Fertigung um 2,4 Prozent im Monatsvergleich. „Hier ist wohl das Wetter der Wohltäter“, kommentierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der Landesbank Baden-Württemberg. Seiner Einschätzung nach könnte der Zuwachs auf witterungsbedingte Einflüsse zurückgehen.

„Die Lage bei der Produktion gleicht weiter einem Trauerspiel“, sagte Chefvolkswirt Alexander Krüger von der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank. „Bislang hat das Fiskalpaket noch nicht gezündet.“ Industrie, Bau und Energieversorger stellten im April zusammen 0,4 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Die Anstiege in der chemischen Industrie (plus 2,1 Prozent) und in der Herstellung von Metallerzeugnissen (plus 1,6 Prozent) beeinflussten das Gesamtergebnis positiv. Negativ wirkte sich hingegen der Produktionsrückgang im Bereich der Automobilindustrie (minus 4,7 Prozent) aus.

Die Industrie hatte zuletzt überraschend wenig Aufträge erhalten: Die Bestellungen waren im April wegen der sinkenden Nachfrage infolge des Irankriegs mit 3,8 Prozent fast doppelt so stark eingebrochen wie erwartet.

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