OECD senkt Wachstumsprognose für Deutschland erneut auf 0,7 Prozent
OECD senkt Prognose: Deutschland wächst nur 0,7%

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat ihre Wachstumsprognose für Deutschland erneut gesenkt. Grund dafür sind unter anderem die steigenden Energiepreise infolge des Krieges im Nahen Osten. Laut dem aktuellen Wirtschaftsausblick wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr nur um 0,7 Prozent zulegen. Das sind 0,1 Prozentpunkte weniger als noch im März prognostiziert.

Deutschland im EU-Durchschnitt

Anders als in den Vorjahren befindet sich Deutschland nicht mehr am unteren Ende der Tabelle. „Deutschland liegt im Durchschnitt der EU-Länder und ist das am stärksten wachsende G7-Land in der EU“, erklärte OECD-Expertin Isabell Koske. Allerdings fällt das prognostizierte Wachstum aufgrund der gestiegenen Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Krieges schwächer aus als erwartet. „Die Unsicherheit hat wieder zugenommen“, so Koske. Dies wirke sich negativ auf den privaten Konsum und die Investitionen aus.

Chinesische Konkurrenz und öffentliche Investitionen

Ein weiterer Grund für den Gegenwind ist die zunehmende Konkurrenz durch China auf den Weltmärkten. Die stark steigenden öffentlichen Investitionen und Verteidigungsausgaben stimulieren dagegen die deutsche Wirtschaft und haben positive Effekte auf private Investitionen.

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OECD empfiehlt Reformen

Um das Wachstum anzukurbeln, rät die OECD zu Strukturreformen. „Wettbewerbsschranken müssen abgebaut und der hohe Verwaltungsaufwand reduziert werden“, sagte OECD-Experte Robert Grundke. Regulierungen sollten vereinfacht und über staatliche Ebenen hinweg harmonisiert werden. Berufszugangs- und Markteintrittsbeschränkungen wie die Meisterpflicht in vielen Handwerksberufen sollten abgebaut werden. Auch die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung müsse beschleunigt werden.

Zudem sollten die Anreize im Steuer- und Transfersystem verbessert werden, um das Arbeitsangebot auszuweiten. Dazu gehören eine Reform des Ehegattensplittings, eine Beschränkung der Minijobs auf Studenten und Schüler sowie eine bessere Koordinierung der sozialen Transfers. Eine Senkung der Steuer- und Abgabenbelastung für Arbeitseinkommen wäre eine weitere wichtige Maßnahme, die durch Streichung von Steuervergünstigungen finanziert werden könnte.

Globale Konjunktur schwächt sich ab

Störungen der Schifffahrtsrouten und Angriffe auf die Energieinfrastruktur haben die Preise für Energie und Industriegüter in die Höhe getrieben. Die OECD prognostiziert ein globales Wachstum von 2,8 Prozent für 2026 und eine Erholung auf 3,1 Prozent für 2027. Die Inflation in den G20-Ländern dürfte zunächst auf 4,0 Prozent steigen, bevor sie 2027 auf 3,1 Prozent zurückgeht.

Für die USA wird ein Wachstum von rund zwei Prozent im laufenden Jahr erwartet, das sich 2027 auf 1,8 Prozent abschwächt. Der Energieschock und die Unsicherheit durch den Konflikt im Nahen Osten dämpfen den privaten Konsum, während starke Investitionen in Künstliche Intelligenz das Wachstum stützen. Im Euroraum wird ein Wachstum von 0,8 Prozent für 2026 erwartet, das 2027 auf 1,2 Prozent ansteigt. In China verlangsamt sich das Wachstum auf 4,5 Prozent im Jahr 2026 und 4,3 Prozent im Jahr 2027.

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