Rhein-Niedrigwasser: Kooths warnt vor Dämpfung des BIP um 0,2 Prozent
Rhein-Niedrigwasser: BIP-Dämpfung um 0,2 Prozent erwartet

Rheinpegel fällt – Binnenschifffahrt unter Druck

Der Wasserstand des Rheins sinkt weiter und erreicht Werte, die den Gütertransport auf dem wichtigsten deutschen Wasserweg zunehmend einschränken. Bereits jetzt müssen viele Frachtschiffe ihre Ladung reduzieren, um die flachen Passagen passieren zu können. Die Pegelstände an den kritischen Messstellen wie Kaub und Emmerich liegen deutlich unter dem langjährigen Mittel und nähern sich den Niedrigwasser-Marken der Vorjahre. Für die Industrie, die dringend auf Rohstoffe und Vorprodukte per Schiff angewiesen ist, zeichnet sich eine ernste Lage ab.

IfW-Konjunkturexperte Kooths mit erster Schätzung

Stefan Kooths, Konjunkturchef des Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW), hat die möglichen gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen des Niedrigwassers beziffert. „Das Niedrigwasser könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent dämpfen“, sagte Kooths dem Handelsblatt. Diese Spanne basiere auf Erfahrungen aus früheren Niedrigwasserphasen und den aktuellen Prognosen zur Schifffahrtskapazität. Die Schätzung sei mit Unsicherheiten behaftet, da die Wetterentwicklung in den kommenden Wochen entscheidend sei.

Logistikengpässe und Produktionsausfälle

Die Einschränkungen auf dem Rhein treffen vor allem die chemische Industrie, die Stahlproduktion und die Kraftstoffversorgung. Werke in Ludwigshafen, Köln und Duisburg sind auf regelmäßige Anlieferungen per Binnenschiff angewiesen. Bei anhaltendem Niedrigwasser drohen Produktionsdrosselungen oder sogar temporäre Stillstände. Die Unternehmen versuchen, auf Bahn und Lkw auszuweichen, doch die Kapazitäten sind begrenzt. Die zusätzlichen Transportkosten belasten die Margen und könnten die Verbraucherpreise beeinflussen.

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Historische Parallelen und Unsicherheiten

Bereits 2018 und 2022 führte langanhaltendes Niedrigwasser zu massiven Störungen der Lieferketten und schätzte das IfW einen BIP-Verlust von etwa 0,3 Prozent pro Quartal. Der aktuelle Pegelstand sei vergleichbar, aber die konjunkturelle Ausgangslage sei eine andere: Die deutsche Wirtschaft steckt bereits in einer moderaten Schwächephase. Kooths betont daher, dass die Dämpfungswirkung je nach Dauer und Schwere des Niedrigwassers variieren könne. Sollte der Pegel in den nächsten Wochen wieder steigen, sei der Effekt geringer.

Politische und wirtschaftliche Reaktionen

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) zeigte sich besorgt und verwies auf Maßnahmen zur Verbesserung der Fahrrinnentiefe. Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes beobachtet die Lage und kann bei Bedarf zusätzliche Messungen und Fahrwasserinformationen bereitstellen. Die Industrie fordert langfristige Investitionen in die Infrastruktur, um den Rhein auch bei Niedrigwasser schiffbar zu halten. Die Bundesregierung prüft derzeit ein Sonderprogramm zur Vertiefung kritischer Stellen.

Ausblick: Wetterabhängigkeit und Konjunkturrisiko

Die weitere Entwicklung hängt maßgeblich von den Niederschlägen in den Alpen und im Süden Deutschlands ab. Experten des Deutschen Wetterdienstes erwarten für die kommenden zwei Wochen überwiegend trockenes und warmes Wetter, was den Pegel weiter sinken lassen könnte. Für die deutsche Konjunktur bedeutet dies ein zusätzliches Risiko in einem ohnehin schwierigen Umfeld. Die IfW-Prognose für das Gesamtjahr 2026 liegt derzeit bei einem Wachstum von 0,8 Prozent; das Niedrigwasser könnte diesen Wert um bis zu 0,2 Prozentpunkte schmälern, so Kooths abschließend.

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