Rhein-Niedrigwasser könnte deutsches BIP im dritten Quartal dämpfen
Rhein-Niedrigwasser dämpft deutsche Wirtschaftsleistung

Die anhaltende Trockenheit lässt die Wasserstände des Rheins, einer der meistbefahrenen Binnenwasserstraßen der Welt, weiter sinken. An der Engstelle Kaub bei Koblenz fiel der Pegel am Dienstag auf 30 Zentimeter, und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) erwartet bis Freitag einen weiteren Rückgang auf etwa 25 Zentimeter – das wäre das gleiche Rekordtief wie im Oktober 2018. Diese Entwicklung hat direkte Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft.

IfW: Wirtschaftsleistung könnte stagnieren

„Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu dämpfen“, sagte Stefan Kooths, Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), der Nachrichtenagentur Reuters. Da viele Experten für die Sommermonate nur ein leichtes Wachstum von maximal 0,2 Prozent erwarten, droht Europas größter Volkswirtschaft eine Stagnation.

Dem IfW zufolge lag der Pegel bei Kaub im Juli bisher an 14 Tagen unter dem für die Rheinschifffahrt kritischen Wert von 78 Zentimetern. „Bei konjunktureller Normallage würde dadurch im Juli die Aktivität im Produzierenden Gewerbe um rund 0,8 Prozent gedämpft werden, was für die gesamtwirtschaftliche Leistung auf Monatsbasis eine Einbuße von rund 0,2 Prozent bedeutet“, ergänzte Kooths. Die derzeit schwache Industriekonjunktur dürfte die Effekte jedoch etwas abschwächen.

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Transportprobleme und höhere Kosten

Frachtschiffe können den Rhein derzeit nicht mehr voll beladen befahren, weshalb Güter auf mehrere Schiffe verteilt werden müssen. Dies verteuert den Transport und belastet die angeschlagene Wirtschaft, die zuletzt eine leichte Erholung gezeigt hatte. Aus Händlerkreisen hieß es, Binnenschiffe seien oft zu höchstens 15 bis 20 Prozent beladen. Über den Rhein werden Rohstoffe wie Getreide, Mineralien, Erze, Kohle und Ölprodukte wie Benzin transportiert.

„Da die Pegel Anfang August kaum sprunghaft wieder über die kritische Grenze steigen dürften, sollte die Transportleistung auch im kommenden Monat noch einige Zeit durch das Niedrigwasser beeinträchtigt sein“, sagte Kooths. Die Schifffahrtssaison ist damit empfindlich gestört.

Gesperrte Ausweichroute verschärft die Lage

Verschärft wird das Problem nach Ansicht der Analysten von Deutsche Bank Research durch eine monatelange Sperrung einer wichtigen Ausweichroute auf der Schiene. Die rechtsrheinische Bahnstrecke ist wegen Sanierungsarbeiten bis zum 12. Dezember für den Güterverkehr nicht befahrbar. Die Bahn kann die Kapazitäten der Binnenschifffahrt jedoch nur begrenzt ersetzen, sodass die Lieferketten zusätzlich belastet werden.

Als Ursachen für das Niedrigwasser gelten das trockene Wetter der vergangenen Wochen sowie geringere Zuflüsse aus den Nebenflüssen und dem Bodensee. Die Trockenheit bleibt voraussichtlich auch in den nächsten Wochen bestehen, was die wirtschaftlichen Risiken weiter erhöht.

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