Die US-Wirtschaft hat im zweiten Quartal ein stärkeres Wachstum verzeichnet als prognostiziert. Wie das US-Handelsministerium in Washington, D.C. in einer dritten Schätzung mitteilte, stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen April und Juni auf das Jahr hochgerechnet um 3,8 Prozent. Ökonominnen und Ökonomen hatten zuvor im Schnitt mit einer Bestätigung der Zweitschätzung von 3,3 Prozent gerechnet.
Grund für den Anstieg sind laut Handelsministerium ein Rückgang der Importe sowie ein Zuwachs bei den Verbraucherausgaben. Gleichzeitig gingen jedoch Investitionen und Exporte zurück. Im ersten Quartal war die US-Wirtschaft noch um 0,6 Prozent geschrumpft. Damals hatten viele Unternehmen angesichts der drohenden US-Zölle unter Präsident Donald Trump verstärkt Waren importiert – ein Effekt, der das Wachstum kurzfristig belastete.
In den USA werden die Wachstumszahlen des BIP annualisiert veröffentlicht, was bedeutet, dass die Quartalsrate auf ein Jahr hochgerechnet wird. In Europa wird diese Methode nicht angewandt, wodurch die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind. Um auf eine mit Europa vergleichbare Wachstumsrate zu kommen, müsste die US-Rate durch vier geteilt werden.
Trotz des überraschend starken Wirtschaftswachstums zeigt sich der US-Arbeitsmarkt zuletzt schwächer. So wurden deutlich weniger Stellen geschaffen als erwartet. Auch deshalb hatte jüngst die US-Notenbank Fed erstmals seit Dezember den Leitzins gesenkt. Dieser liegt nun in der Spanne von 4,0 bis 4,25 Prozent.
Mit der Zinssenkung versucht die Fed, eine Kompromisslösung für die Risiken auf dem Arbeitsmarkt bei zugleich steigender Inflation zu finden. So warnte Fed-Präsident Jerome Powell, höhere Zölle hätten angefangen, die Preise in einigen Warengruppen in die Höhe zu treiben. Der neue Fed-Gouverneur und Trump-Vertraute Stephen Miran sagte dagegen zuletzt, er sehe keinen Inflationsdruck durch die Importzölle von Trump.



