Der Bitcoin-Kurs könnte sich am 29. Juli 2026 und in den folgenden Tagen deutlich bewegen. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) entscheidet über die Leitzinsen in den USA. Zwar rechnen Experten nicht mit einem Zinsschritt, dennoch bleiben die Prognosen mit Unsicherheit behaftet. Ein Finanzprofi erklärt, wie sich geldpolitische Beschlüsse auf den Kurs von Kryptowährungen auswirken können.
Fed-Entscheidungen bewegen Bitcoin stärker als EZB-Beschlüsse
Eine Analyse des Finanzdienstleisters Bitcoin Suisse zeigt: Zinsentscheidungen können die Kurse an den Finanzmärkten bewegen – doch nicht jede Notenbank hat auf Bitcoin den gleichen Einfluss. „Entscheidend ist, welche Zentralbank das Steuer in der Hand hält“, sagt Dominic Weibel, Forschungsleiter bei Bitcoin Suisse. Nach einer Auswertung des Unternehmens habe sich Bitcoin an den Zinsentscheidungstagen der Fed und der Europäischen Zentralbank (EZB) sehr unterschiedlich bewegt. „Die letzten Zinsentscheide zwischen 2021 und 2026 zeigen, dass sich Bitcoin an Fed-Terminen im Median rund doppelt so stark wie an EZB-Terminen bewegte“, erklärt Weibel.
Dafür sieht der Experte strukturelle Gründe. Bitcoin wird weltweit überwiegend in US-Dollar bewertet. Zugleich sitzt ein wachsender Teil der institutionellen Krypto-Anleger und der dazugehörigen Handelsinfrastruktur in den USA. Ändert die Fed ihre Geldpolitik, beeinflusst sie außerdem die Finanzierungskosten in Dollar sowie die Renditen amerikanischer Staatsanleihen.
Zinshöhe bestimmt Attraktivität von Risikoanlagen
Die Renditen sicherer Staatsanleihen spielen für Risikoanlagen eine wichtige Rolle. Steigen sie, können Aktien und Kryptowährungen für Anleger vergleichsweise weniger spannend werden. Niedrigere Zinsen erleichtern dagegen häufig Finanzierungen und können zusätzliche Liquidität in die Finanzmärkte lenken. Eine überraschende Zinssenkung oder deutlich erkennbare Signale für baldige Lockerungen könnten Bitcoin zunächst Auftrieb geben. Anleger müssten bei sicheren Anlagen geringere Renditen akzeptieren und könnten wieder stärker nach ertragreicheren, aber riskanteren Alternativen suchen.
Hält die Fed die Zinsen dagegen länger hoch oder stellt sogar weitere Straffungen in Aussicht, könnte das den Kryptomarkt belasten. Höhere Finanzierungskosten verringern tendenziell die Risikobereitschaft. Gleichzeitig bleiben verzinste Anlagen wie US-Staatsanleihen vielversprechend.
Erwartungen und Kommunikation der Fed sind entscheidend
Nicht allein der Beschluss bestimmt jedoch die Reaktion des Bitcoin-Kurses. Ebenso wichtig ist, was die Finanzmärkte bereits eingepreist haben. Bestätigt die Fed lediglich die Erwartungen, kann die Kursbewegung gering ausfallen. Weicht sie davon ab oder verändert sie ihren Ton, reagieren die Märkte häufig stärker. Anleger dürften deshalb nicht nur auf den Zinsschritt achten. Entscheidend wird sein, wie die Fed die Inflation, die Konjunktur und mögliche weitere Entscheidungen bewertet.
Der jüngste geldpolitische Bericht der Notenbank zeigt, warum der Spielraum begrenzt sein könnte: Die Fed sieht die Inflation weiterhin deutlich über ihrem Ziel von zwei Prozent. Steigende Energiepreise gehören zu den Faktoren, die den Preisdruck verstärken können. Auch Weibel verweist auf die geopolitischen Risiken. Höhere Energiepreise und störanfällige Lieferketten könnten die Inflation in Europa und den USA länger hoch halten. Das erschwere es den Notenbanken, die Zinsen zu senken. „Für Risikoanlagen wie Bitcoin bedeutet das kurzfristig Gegenwind“, sagt der Experte.
Langfristig könnte Inflation Bitcoin als Inflationsschutz stärken
Auf längere Sicht bewertet Weibel den Zusammenhang anders. Kurzfristig hängt die Entwicklung des Bitcoin-Kurses vor allem davon ab, wie viel Geld an den Finanzmärkten verfügbar ist. Hält die Fed die Zinsen hoch, bleiben sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen für Anleger interessant. Das kann die Nachfrage nach riskanteren Anlagen wie Bitcoin bremsen. Langfristig sieht Weibel jedoch einen gegenläufigen Effekt. Bleibt die Inflation über längere Zeit hoch, könnte die begrenzte Menge von Bitcoin stärker in den Fokus rücken. Im Protokoll ist festgelegt, dass höchstens 21 Millionen Bitcoin entstehen können. Befürworter sehen die Kryptowährung deshalb ähnlich wie Gold als knappes Gut, das langfristig vor einem Kaufkraftverlust schützen könnte.
Auch eine Untersuchung von Forschern des Internationalen Währungsfonds bestätigte, dass eine straffere US-Geldpolitik den Kryptomarkt belasten kann. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass der Vermögenswert keinen Schutz vor Konjunkturschwankungen bietet – im Gegenteil, ihre Schätzungen deuten darauf hin, dass Kryptowährungen stärker reagieren als Aktien. Für die anstehende Fed-Sitzung zählt daher vor allem, welchen Kurs die Notenbank für die kommenden Monate signalisiert. Diese Hinweise könnten für Bitcoin wichtiger sein als der einzelne Zinsschritt.
Hinweis: Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.



