Valuedesk: KI-Software versöhnt Kreative und Controller im Unternehmen
Valuedesk: KI-Software für Kreative und Controller

Das Bielefelder Start-up Valuedesk will mit einer Performance-Management-Software Kreative und Controller versöhnen. Die Plattform, die ursprünglich für den strategischen Einkauf entwickelt wurde, unterstützt mittlerweile alle Unternehmensbereiche von der Fertigung bis zur Produktentwicklung. Ziel ist es, Effizienz und Qualität gleichermaßen zu steigern – gestützt auf Künstliche Intelligenz.

Das Prinzip: Von der Idee zur Ebit-Verbesserung

Im Zentrum der Software steht eine sogenannte Härtegrad-Logik. Mitarbeiter schlagen über das Tool Maßnahmen vor, etwa zur Kostensenkung. Führungskräfte priorisieren die Vorschläge und verfolgen die Umsetzung sowie die tatsächlichen finanziellen Effekte. Laut Valuedesk wurden auf diese Weise bereits rund 100.000 Optimierungen umgesetzt. Der durchschnittliche Ergebnisbeitrag pro Maßnahme liege bei rund 40.000 Euro, so das Unternehmen.

Die KI soll den Prozess beschleunigen. Mitte Juni 2026 launchte Valuedesk die neue Softwareversion „Aiguro“. Geschäftsführer Torsten Bendlin betont den Wettbewerbsvorteil: „Wir haben zehn Jahre lang proprietäre Metadaten gesammelt, auf die kein ChatGPT, kein Gemini Zugriff hat.“ Das Risiko, dass Kunden auf frei zugängliche KI-Modelle ausweichen, hält er daher für gering.

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Kunden und Preisgestaltung

Valuedesk betreut aktuell 25 Unternehmen, sieht allein in Deutschland aber Potenzial für rund 1800 Kunden. Ein wichtiger Kunde ist der Logistikdienstleister Kion, wo rund 1000 Mitarbeiter ihre Maßnahmen über die Plattform steuern. Auch Dr. Oetker zählt zu den frühen Anwendern.

Finanzchefin Irène Binder erklärt: „Die monatlichen Gebühren für die Software liegen zwischen 4.000 und 40.000 Euro, je nach Umfang. Hinzu kommen Beratungs- und Schulungsleistungen.“ Damit deckt Valuedesk eine breite Spanne ab, von kleineren Firmen bis zu Großkonzernen.

Gründer und Wettbewerber

Torsten Bendlin gründete Valuedesk vor neun Jahren. Zuvor hatte er als Einkaufsleiter des Küchenherstellers Nolte erlebt, wie wenig klassische Beratungsprojekte bei Effizienzprogrammen halfen. Mit den Mitgründern Dennis Cutraro und Ingo Rossdeutscher, die 2023 ausstiegen, baute er das Unternehmen ohne technischen Hintergrund auf. Heute steht ihm Finanzchefin Binder zur Seite.

Zu den Wettbewerbern in Deutschland zählen Adensio aus Breisach mit dem Tool „Stazy“ und der Berliner Projektmanagementdienstleister Blue Ant. Bedeutender ist jedoch die Konkurrenz durch Strategieberatungen wie McKinsey mit „Wave“ und BCG mit „Key“. Allerdings bleibt eine Zusammenarbeit möglich, da die Kernkompetenzen der Beratungshäuser in anderen Feldern liegen.

Finanzierung und Bilanz

In der jüngsten Finanzierungsrunde im September 2024 sammelte Valuedesk fünf Millionen Euro von UVC Partners, NRW.Ventures und Enjoyventure ein. Insgesamt flossen bislang knapp zehn Millionen Euro. Die Investoren halten die Mehrheit der Anteile.

Der Kapitalzufluss war dringend nötig: Laut Jahresabschluss 2023 war Valuedesk bilanziell überschuldet – die Verbindlichkeiten überstiegen das Vermögen um mehr als das Doppelte. Die liquiden Mittel hatten sich innerhalb eines Jahres auf 655.000 Euro mehr als halbiert. Die Kapitalerhöhung 2024 stabilisierte die Bilanz, doch der Verlustvortrag wuchs bis 2025 auf 5,4 Millionen Euro an. Bendlin kündigt dennoch an: „Wir wollen ab 2027 profitabel sein und dann organisch wachsen.“

Ingo Potthoff, Managing Partner von UVC Partners, zeigt sich optimistisch: „Valuedesk bietet die strategische Struktur und die notwendige Transparenz, die Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschaffen.“

Zukunft: Kooperationen als Wachstumsmotor

Valuedesk setzt auf Partnerschaften, um zu wachsen. PwC plant, das KI-Tool „Aiguro“ in sein Angebot aufzunehmen. Bendlin reizt der Multiplikatoreffekt: Aus den Ökosystemen der Beratungshäuser ließen sich Neukunden gewinnen. So will er die KI-Welle nutzen, ohne von der „großen KI-Keule“ erschlagen zu werden. Sein Ziel: Valuedesk soll zum Standardwerkzeug für Performance-Management avancieren.

Ob Deutschland wieder zum Exporterfolg zurückfindet, hängt auch von der Renaissance seines Erfindergeists ab. Valuedesk sieht sich als Brücke zwischen Kreativen und Controllern – und damit als Teil dieser Erneuerung.

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