Deutsche Bahn schreibt wieder Gewinn – aber Pünktlichkeit bleibt miserabel
Deutsche Bahn schreibt wieder Gewinn – Pünktlichkeit leidet

Nach sechs Verlustjahren kehrt die Deutsche Bahn in die Gewinnzone zurück. Im ersten Halbjahr 2026 erzielte der Konzern im Kerngeschäft ein Ergebnis von 147 Millionen Euro, nach einem Verlust von 760 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Bahnchefin Evelyn Palla zeigte sich erfreut: „Zum ersten Mal seit sieben Jahren schreibt unser Eisenbahngeschäft unterm Strich wieder schwarze Zahlen.“ Zuletzt hatte die Bahn zur Jahresmitte 2019 ein Plus vermeldet.

Pünktlichkeit bleibt eine Baustelle

Trotz der finanziellen Erholung leidet die Bahn weiter unter massiven Verspätungen. Im Fernverkehr kamen von Januar bis Juni nur 59 Prozent der Züge pünktlich ans Ziel. Im Nahverkehr lag die Quote bei immerhin 88 Prozent. „Die Rekordzahl an Baustellen, der Wintereinbruch im Januar und Februar sowie die Hitzewelle im Juni drückten die Pünktlichkeit“, erklärte das Unternehmen. In diesem Jahr sind insgesamt 28.000 Baustellen geplant, von denen bereits die Hälfte abgeschlossen ist.

Rekordfahrgastzahlen dank Rabatten und Spritpreisen

Trotz der Unpünktlichkeit blieben die Kunden der Bahn treu. 960 Millionen Reisende nutzten in der ersten Jahreshälfte die Züge im Fern- und Nahverkehr – 17 Millionen mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders die hohen Benzinpreise trieben Pendler auf die Schiene. Auch Rabattaktionen des Managements zeigten Wirkung. „Mit besonderen Angebotspreisen für Familien, Junge und Kurzentschlossene kurbelt das Management seit Mai die Nachfrage zusätzlich an“, so die Bahn. Allein 600.000 Fahrgäste nutzten das Last-minute-Angebot, das Familienticket wurde rund 200.000 Mal verkauft. Dies spiegelte sich auch in den Geschäftszahlen wider: Das operative Ergebnis im Fernverkehr verbesserte sich von minus 59 Millionen auf plus 148 Millionen Euro.

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Güter- und Infrastruktursparte mit Verlusten

Während der Fern- und Nahverkehr Gewinne einfahren, kämpfen andere Sparten weiter. Die Gütersparte Cargo verzeichnete ein Minus von einer Million Euro und tastet sich damit an die Nulllinie heran. Bis zum Jahresende muss hier eine schwarze Zahl stehen, sonst droht eine Zerschlagung, da der Konzern Verluste nicht mehr quersubventionieren darf. Auch die Infrastruktursparte Infrago steckt mit 66 Millionen Euro im Minus. Dagegen entwickelte sich der Nahverkehr zur Goldgrube: Der Regionalverkehr erwirtschaftete 89 Millionen Euro Plus.

Investitionen treiben Schulden in die Höhe

Die Verschuldung des Konzerns stieg wieder an. Nachdem die Bahn im vergangenen Jahr durch den Verkauf der Spedition Schenker den Schuldenberg von über 30 Milliarden auf 20 Milliarden Euro drücken konnte, kamen in diesem Jahr bereits eine Milliarde Euro hinzu. Grund sind die anhaltend hohen Investitionen ins Netz. Die eigenfinanzierten Netto-Investitionen stiegen im ersten Halbjahr um 89 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Zusammen mit Bundesmitteln flossen 8,7 Milliarden Euro ins Schienennetz und in die Stationen.

Ausblick und Personalabbau

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet die Bahn mit einem Umsatz von rund 26 Milliarden Euro und einem operativen Ergebnis von 600 Millionen Euro. Das konzerninterne Sanierungsprogramm läuft auf Hochtouren. Bahnchefin Palla will vor allem die Führungsebenen verschlanken. Der Personalabbau gehe schneller voran als geplant, teilte das Unternehmen mit. Die Kostensenkungen in der Konzernleitung hätten bereits zum verbesserten Ergebnis beigetragen.

Palla ist jedoch noch nicht zufrieden: „Wir liefern jetzt Schritt für Schritt“, sagte sie, „aber ich bin erst zufrieden, wenn auch die Qualität im täglichen Eisenbahnverkehr überzeugt.“ Auch Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) drängt auf schnellere Verbesserungen. Die marode Infrastruktur setze dem Tempo der Qualitätssteigerungen jedoch Grenzen, räumte er ein.

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