Dresden baut 300-Millionen-Flusswasserwerk für Halbleiterindustrie
Dresden baut Flusswasserwerk für Chipindustrie

In Dresden wird ein neues Flusswasserwerk an der Elbe gebaut, um die boomende Halbleiterindustrie künftig mit Brauchwasser zu versorgen. Der symbolische Spatenstich erfolgte nun, und das Unternehmen Hochtief wurde als Generalübernehmer für Planung, Genehmigung und Bau beauftragt, wie die Sachsenenergie mitteilte. Die Investition beträgt nach aktuellen Berechnungen mehr als 300 Millionen Euro. Davon übernimmt der Freistaat Sachsen 100 Millionen Euro, die Stadt Dresden steuert 50 Millionen Euro bei.

Wasserwerk als Wachstumsmotor für die Chipbranche

Frank Bösenberg, Geschäftsführer des Branchenverbandes Silicon Saxony, betonte die Bedeutung einer zuverlässigen Wasser- und Energieinfrastruktur für die Halbleiterproduktion. Das Flusswasserwerk sei ein wichtiger Impuls für weiteres Wachstum der hiesigen Industrie. Konkrete Zahlen zur Entwicklung will der Verband in der kommenden Woche vorlegen. Bösenberg gab bereits einen Ausblick: „Die Zeichen stehen auf Wachstum.“

Die Halbleiterindustrie in Dresden erlebt derzeit einen enormen Aufschwung. Am 2. Juli eröffnet Infineon sein neues Werk in der Stadt – drei Monate früher als geplant. Im Norden Dresdens entsteht zudem das Chipwerk von ESMC, ein Gemeinschaftsprojekt des taiwanesischen Branchenriesen TSMC mit Bosch, Infineon und NXP Semiconductor. Die Investition hierfür liegt bei zehn Milliarden Euro. Infineon investiert rund fünf Milliarden Euro in seine neue Fertigungsstätte.

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Versorgungssicherheit und Schutz der Ressource Wasser

Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) sieht in dem Flusswasserwerk einen zentralen Baustein, um Dresdens führende Rolle als Herz der europäischen Mikroelektronik zu stärken. Das Werk schone die wertvolle Ressource Wasser und schaffe Versorgungssicherheit für den Halbleiterstandort. Gleichzeitig werde die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung verbessert, da Brauch- und Trinkwasser getrennt werden.

Der sächsische EU-Abgeordnete Oliver Schenk (CDU) unterstrich die Bedeutung des Projekts: „Wer über Europas Halbleiterzukunft spricht, kommt an Sachsen nicht vorbei. Silicon Saxony zeigt schon heute, wie europäische Technologieführerschaft aussehen kann. Jetzt gilt es, diese Stärke konsequent auszubauen und Sachsen als zentralen Baustein der europäischen Technologiesouveränität zu etablieren.“

Kapazitätserweiterung bis 2030

Um die Wasserversorgung für Bevölkerung und Industrie zukunftssicher zu machen, trennt die Sachsenenergie schrittweise die Trinkwasserversorgung von der Industriewasserversorgung. Das neue Wasserwerk entsteht im Stadtteil Übigau und soll ab Ende 2030 über zwei unterirdische Leitungen die Chiphersteller im Dresdner Norden beliefern. Bis dahin soll eine Kapazitätserweiterung im Wasserwerk Hosterwitz den wachsenden Durst der Branche stillen.

Die Anlage kann täglich bis zu 67.000 Kubikmeter Wasser bereitstellen. 80 bis 90 Prozent des genutzten Wassers fließen über die Stadtentwässerung gereinigt in die Elbe zurück. Selbst bei Niedrigwasser der Elbe werden weniger als 0,23 Prozent des Wassers entnommen, das täglich pro Sekunde durch Dresden fließt.

Nach Angaben von Sachsenenergie-Vorstand Frank Brinkmann stößt der Bau des Flusswasserwerkes auch international auf Interesse. Die bisherigen Erfahrungen würden bereits von anderen Regionen in Deutschland und Europa nachgefragt, darunter aus den Niederlanden und Frankreich. Das Projekt könne damit als Vorbild für andere Industriestandorte dienen.

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