Die Europäische Union will junge Technologieunternehmen mit einem gewaltigen Fonds unterstützen. Die Regierungen der 27 Mitgliedstaaten, die Europäische Investitionsbank (EIB) und private Investoren haben sich im Rahmen der Initiative „European Tech Champions“ zusammengeschlossen, um bis zu 80 Milliarden Euro Wachstumskapital für aufstrebende Firmen bereitzustellen. Das gab die EIB am Rande eines EU-Finanzministertreffens in Brüssel bekannt.
Hintergrund: Europas Risikoscheu bremst Innovationen
Während in den USA Börsengänge und Risikokapital für Start-ups reichlich fließen, tun sich europäische Firmen schwer, aus Innovationen profitable Geschäfte zu machen. Die Ersparnisse in Europa sind hoch, doch die Menschen scheuen sich, dieses Kapital in riskante Investitionen zu stecken. Der neue Dachfonds soll diese Risikoaversion überwinden. Mit einem Volumen von rund 15 Milliarden Euro ist er viermal so groß wie sein Vorgänger. Zusammen mit weiteren Mitteln sollen bis zu 80 Milliarden Euro mobilisiert werden.
Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtschaft
Zu den institutionellen Investoren zählen die spanische Santander-Bank, die Danske Bank und die italienische Investmentgesellschaft Green Arrow Capital. EIB-Präsidentin Nadia Calviño betonte: „Es geht vor allem um Skalierbarkeit und Geschwindigkeit.“ Die Initiative sei ein entscheidender Schritt, um die Finanzierungslücke für Scale-ups zu schließen. „In Europa entstandene und entwickelte Technologien sollen auch in Europa wirtschaftlich erfolgreich werden“, so Calviño.
Politische Unterstützung aus Deutschland
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nannte die Initiative „eine strategische Investition in Europas Zukunft“. Sie stärke die langfristige Wettbewerbsfähigkeit, technologische Souveränität und den wirtschaftlichen Wohlstand. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU), die staatlichen Hilfen sonst kritisch gegenübersteht, zeigte sich ebenfalls zufrieden: „Damit stellen wir die Weichen für Europas technologische Souveränität.“
Erfolge der ersten Runde
In einer ersten Runde der Initiative wurden bereits zahlreiche große Fonds unterstützt, die in europäische Start-ups investieren. Laut EIB konnte so die Entwicklung von zwölf sogenannten Einhörnern – junge Unternehmen mit einem Wert von über einer Milliarde Euro – gefördert werden. Der Chef der deutschen Förderbank KfW, Stefan Wintels, lobte die Ausweitung: „Europa mangelt es nicht an innovativen Unternehmen, doch um zu skalieren, benötigen sie grenzüberschreitenden Marktzugang, größere Kapitalpools und ein wirklich europäisches Ökosystem.“
Ausblick: Kapitalmarktunion als nächster Schritt
Wintels denkt bereits weiter: „Eine echte Kapitalmarktunion, die Ersparnisse effizient in Investitionsmöglichkeiten lenkt, kann der nächste große Schritt sein, um Europas wachstumsstarke Technologieunternehmen zu skalieren.“ Die Initiative „European Tech Champions“ soll dazu beitragen, dass Europa nicht länger hinter den USA zurückfällt. Das bislang letzte deutsche Start-up mit Weltruhm, SAP, wurde 1972 gegründet – ein Beispiel für die Dringlichkeit neuer Impulse.



