Die Europäische Kommission hat eine Geldstrafe in Höhe von 890 Millionen Euro gegen den US-Technologiekonzern Google verhängt. Grund sind wettbewerbswidrige Praktiken im Bereich der Online-Werbetechnologie, wie die Brüsseler Behörde am Mittwoch mitteilte. Die Strafe ist eine der höchsten, die die EU jemals gegen ein einzelnes Unternehmen verhängt hat.
Vorwurf: Missbrauch der Marktmacht
Konkret wirft die EU-Kommission Google vor, seine marktbeherrschende Stellung im Bereich der sogenannten Ad-Tech-Dienste missbraucht zu haben. Dabei handelt es sich um Technologien, die Werbetreibenden und Publishern helfen, Werbeanzeigen im Internet zu platzieren und zu vermarkten. Google habe durch unfaire Praktiken Wettbewerber benachteiligt und die Preise für Werbekunden in die Höhe getrieben.
„Google hat seine dominante Position im Ad-Tech-Sektor ausgenutzt, um den Wettbewerb zu behindern“, erklärte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. „Dieses Verhalten hat die Möglichkeiten von Werbetreibenden und Publishern eingeschränkt, was letztlich den Verbrauchern schadet.“ Die Kommission stellte fest, dass Google zwischen 2014 und 2022 systematisch seine Marktmacht genutzt habe, um konkurrierende Ad-Tech-Anbieter von wichtigen Märkten auszuschließen.
Details der Entscheidung
Die EU-Kommission beanstandete insbesondere Googles Praktiken im Zusammenhang mit seinem Ad-Server DFP (DoubleClick for Publishers) und seiner Ad-Exchange AdX. So habe Google den Zugang zu seinem Ad-Server an die Nutzung von AdX gekoppelt und damit konkurrierende Ad-Exchanges benachteiligt. Zudem habe Google seine eigenen Tools bevorzugt, wenn es um die Vermittlung von Werbeanzeigen ging.
Die Geldstrafe von 890 Millionen Euro entspricht etwa 1,3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes von Google im Jahr 2022. Die EU-Kommission betonte, dass die Strafe angemessen sei, um das schwerwiegende Fehlverhalten zu ahnden und eine abschreckende Wirkung zu erzielen. Google kündigte an, gegen die Entscheidung vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgehen zu wollen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte: „Wir sind mit der Entscheidung der Kommission nicht einverstanden und werden Rechtsmittel einlegen. Unsere Ad-Tech-Dienste haben dazu beigetragen, den Wettbewerb zu fördern und den Publishern sowie Werbetreibenden geholfen, ihre Ziele zu erreichen.“
Auswirkungen auf den Markt
Die Entscheidung der EU-Kommission ist ein weiterer Schlag gegen Googles Werbegeschäft, das einen Großteil der Konzernerlöse ausmacht. Bereits in der Vergangenheit hatte die EU gegen Google mehrere Milliardenstrafen verhängt, unter anderem wegen Verstößen im Bereich der Preissuchdienste und des Android-Betriebssystems. Die neue Strafe könnte nun dazu führen, dass Google seine Geschäftspraktiken im Ad-Tech-Bereich grundlegend ändern muss.
Marktbeobachter erwarten, dass die Entscheidung auch Auswirkungen auf andere Technologiekonzerne haben könnte, die ähnliche Geschäftsmodelle verfolgen. Die EU-Kommission hat in den letzten Jahren verstärkt gegen die Marktmacht großer Digitalkonzerne vorgegangen und neue Regelungen wie den Digital Markets Act (DMA) erlassen, der fairen Wettbewerb in digitalen Märkten sicherstellen soll.



