Infantinos drängender Zeitplan
Fifa-Präsident Gianni Infantino verschärft den Druck auf die Mitgliedsverbände: Nach Informationen des SPIEGEL hat er den Nationalverbänden eine konkrete Frist gesetzt, um einem Teilverkauf der Fußball-Weltmeisterschaft zuzustimmen. Der Plan sieht vor, Anteile an den kommerziellen Rechten der WM an externe Investoren zu veräußern – ein Schritt, der weit über die bisher vom Weltverband öffentlich kommunizierten Absichten hinausgeht. Infantino treibt das Vorhaben mit Hochdruck voran, offenbar um noch vor der nächsten ordentlichen Sitzung des Fifa-Rates Fakten zu schaffen.
Bereits beim WM-Finale 2026 in den USA, das – so zeigen es Fotos – auch von Personen aus dem Umfeld der damaligen US-Regierung unter Donald Trump besucht wurde, sollen erste Gespräche mit potenziellen Investoren stattgefunden haben. Der SPIEGEL beruft sich auf mehrere unabhängige Quellen, die Einblick in die internen Prozesse der Fifa haben. Demnach sieht der Zeitplan vor, dass die Verbände innerhalb weniger Wochen ihre Zustimmung signalisieren müssen, andernfalls drohe ein Alleingang der Exekutive.
Die Details des Teilverkaufs
Konkret geht es um die Veräußerung eines signifikanten Anteils an den Vermarktungsrechten für die kommenden WM-Turniere, darunter die Weltmeisterschaften 2030 und 2034. Die Einnahmen aus dem Verkauf sollen nach Angaben Infantinos in die Entwicklung des Fußballs weltweit fließen, insbesondere in die Förderung von Nachwuchs- und Frauenfußball. Kritiker befürchten jedoch, dass ein privater Investor zu viel Einfluss auf die Sportpolitik nehmen könnte – etwa auf die Vergabe von Turnieren oder die Verteilung der Erlöse. Bisher hält die Fifa sämtliche Rechte an der WM, die als eine der lukrativsten Sportveranstaltungen der Welt gilt. Der Teilverkauf würde einen fundamentalen Bruch mit diesem Modell darstellen.
Nach Berechnungen von Sportökonomen könnte der Wert der gesamten WM-Rechte für die nächsten vier Turnierzyklen bei über 50 Milliarden US-Dollar liegen. Ein Anteil von 20 bis 30 Prozent, wie er intern diskutiert wird, würde demnach einen Gegenwert von zehn bis 15 Milliarden Dollar generieren. Diese Summe wäre nicht nur für die Fifa, sondern auch für internationale Finanzinvestoren äußerst attraktiv. Allerdings wäre mit dem Verkauf auch eine langfristige Bindung an externe Kapitalgeber verbunden, was die Autonomie des Weltverbandes einschränken könnte.
Internationale Reaktionen und Kritik
In den nationalen Verbänden stößt der Vorstoß auf ein geteiltes Echo. Während einige kleinere Verbände auf die versprochenen Investitionen in die Basis hoffen, warnen große Fußballnationen wie Deutschland oder Frankreich vor einem Kontrollverlust. „Wir müssen sicherstellen, dass der Fußball nicht zum Spielball von Finanzjongleuren wird“, zitiert der SPIEGEL einen hochrangigen Funktionär aus dem europäischen Fußballverband Uefa. Die Frist setzt die Verbände zusätzlich unter Zugzwang: Eine Ablehnung könnte als Blockadehaltung ausgelegt werden, eine Zustimmung als Blankoscheck für Infantinos Kurs.
Unterdessen mehren sich Stimmen, die eine umfassende Debatte über die Zukunft des Fußballs fordern. Die Spielergewerkschaft FIFPro äußerte sich besorgt über die mangelnde Transparenz des Prozesses. „Die wichtigste Entscheidung für den Weltfußball seit Jahren wird hinter verschlossenen Türen getroffen“, kritisierte ein Sprecher. Der Druck auf Infantino wächst: Sollte er die Verbände übergehen, droht ein offener Konflikt, der die Fifa in eine schwere Krise stürzen könnte.



