Lothar Matthäus hat FIFA-Präsident Gianni Infantino für dessen umstrittenen Investorenplan und das Timing der Ankündigung scharf kritisiert. In seiner Kolumne für den TV-Sender Sky schrieb der Rekordnationalspieler: „Er hat für seine Pläne einen der falschesten Zeitpunkte ever gewählt. Zum anderen gibt es für mich kaum etwas Unsinnigeres als diese Idee.“ Damit reagiert Matthäus auf die jüngsten Entwicklungen im Weltfußball, die Infantino massiv unter Druck setzen.
Matthäus: Infantino hat früher einiges richtig gemacht
Der 63-Jährige räumte ein, dass Infantino in der Vergangenheit durchaus Erfolge vorzuweisen habe. „Er hat auch einiges richtig gemacht in der Vergangenheit. Es ist nicht alles verkehrt gewesen in seiner Amtszeit, auch wenn es bei ihm immer ums Geld geht“, so Matthäus. Doch nun sei eine Grenze überschritten: „Aber jetzt hat er es übertrieben. Er ist schlecht beraten worden oder hat sich gar nicht beraten lassen.“ Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft prognostiziert: Infantino bekomme „wahrscheinlich jetzt seine Quittung und das, was sich viele seiner Gegner gewünscht haben“.
Der Investorenplan: Milliarden gegen WM-Rechte
Hintergrund der Kritik ist Infantinos Vorhaben, einen Teil der kommerziellen Rechte des Fußball-Weltverbandes – etwa an der WM – an Investoren zu verkaufen, um eine Milliardensumme einzunehmen. Nach massivem Widerstand aus verschiedenen Verbänden und Ligen zog der FIFA-Chef die Pläne jedoch zurück. Besonders die Europäische Fußball-Union (UEFA) hatte gedroht, rechtliche Schritte einzuleiten. Die UEFA sieht durch den geplanten Deal die Integrität des Wettbewerbs und die finanzielle Basis des Fußballs gefährdet.
Infantino unter Druck: UEFA droht mit Klage
Die UEFA hatte Infantino unmissverständlich gewarnt und juristische Konsequenzen angedroht, falls die FIFA an dem Projekt festhalte. Diese geballte Opposition zwang den Schweizer letztlich zum Rückzieher. Für Infantino, der sich am 18. März 2027 ein letztes Mal für weitere vier Jahre zum FIFA-Präsidenten wählen lassen möchte, ist dies ein herber Rückschlag. Die Kritik von Matthäus dürfte die ohnehin angespannte Stimmung weiter verschärfen.
Matthäus sieht Infantinos Führungsstil kritisch
Matthäus‘ Abrechnung fällt vernichtend aus. Er wirft Infantino vor, ohne ausreichende Beratung zu handeln und die Interessen des Fußballs aus den Augen zu verlieren. „Er ist schlecht beraten worden oder hat sich gar nicht beraten lassen“, wiederholte der 63-Jährige. Diese Einschätzung teilen offenbar viele Kritiker, die Infantino schon länger eine zu starke Kommerzialisierung des Fußballs vorwerfen.
Rückzug der Pläne: Niederlage für Infantino
Der Rückzug des Investorenplans ist eine seltene Niederlage für den mächtigen FIFA-Boss, der seine Projekte sonst oft durchsetzt. Die geplante Milliarden-Einnahme hätte die FIFA finanziell unabhängiger machen sollen, doch der Widerstand war zu groß. Nun muss Infantino um seine Wiederwahl 2027 bangen, auch wenn er offiziell noch nicht kandidiert hat. Die Kritik von prominenten Stimmen wie Matthäus dürfte seine Position weiter schwächen.
Ausblick: Infantino vor schwierigen Zeiten
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Infantino das Vertrauen der Fußballfamilie zurückgewinnen kann. Die UEFA hat bereits klargestellt, dass sie weitere Eingriffe in die Strukturen des Weltfußballs nicht hinnehmen wird. Für Matthäus ist die Sache klar: Infantino hat mit dem Investorenplan eine rote Linie überschritten. „Er hat es übertrieben“, so sein Fazit. Ob der FIFA-Präsident diese Kritik ernst nimmt, bleibt abzuwarten.



