Die Oetker Collection, die Firmengruppe der Brüder Alfred und Ferdinand Oetker, hat im Geschäftsjahr 2025 nur ein minimales Umsatzwachstum verzeichnet. Der Konzernumsatz stieg lediglich um 0,9 Prozent auf 2,573 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte. Belastend wirkten sich Wechselkurse, Zölle und eine allgemeine Nachfrageschwäche aus.
Auslandsgeschäft treibt Umsatz
Die Wachstumsschwäche ist nicht allein auf Deutschland zurückzuführen: Inzwischen erwirtschaftet die Gruppe 78 Prozent ihres Umsatzes im Ausland – ein Prozentpunkt mehr als im Vorjahr. Die Oetker Collection ist in 39 Ländern aktiv, wobei das US-Geschäft in fast allen Sparten eine wichtige Rolle spielt.
Co-Vorstandschef Alfred Oetker hatte vor einem Jahr noch ehrgeizige Ziele formuliert: schneller wachsen als der Markt, internationaler und nachhaltiger werden, sowie Zukäufe tätigen, vor allem in den USA. Doch die Wachstumsziele sind offenbar schwerer zu erreichen. Nun setzt Oetker auf Resilienz: „Die Diversifikation unserer Unternehmensgruppe und unsere breite internationale Präsenz erweisen sich gerade unter den aktuellen Rahmenbedingungen als stabilisierend“, sagte er. Sein Bruder Ferdinand Oetker ergänzte: „Angesichts des anspruchsvollen Umfelds sind wir insgesamt mit dem Verlauf des Geschäftsjahres 2025 noch zufrieden.“
Henkell-Freixenet unter Druck
Das größte Unternehmen der Gruppe, Henkell-Freixenet, trug knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei, verzeichnete aber nur ein Plus von 0,5 Prozent auf etwas mehr als 1,25 Milliarden Euro. Unternehmenschef Andreas Brokemper sprach von einem „unglaublich herausfordernden Jahr“. Die US-Zölle belasteten das Geschäft spürbar, und höhere Preise schwächten den Absatz.
Die USA sind für Henkell-Freixenet der zweitwichtigste Markt nach Deutschland. 2025 erwirtschaftete der Sekt-, Wein- und Spirituosenhersteller dort mehr als 200 Millionen Euro Umsatz, vor allem mit Prosecco (Mionetto) und Cava (Freixenet). Um die Abhängigkeit von Zöllen zu verringern, übernahm Henkell-Freixenet im Juli den weltweiten Vertrieb des kalifornischen Schaumweinherstellers Korbel. Zudem wurde Anfang März 2025 der spanische Cava-Hersteller Freixenet komplett übernommen. Der Kaufpreis wurde nicht bekannt gegeben, spanische Medien berichten jedoch, dass die Deutschen 2018 rund 220 Millionen Euro für die Hälfte der Anteile gezahlt hatten.
Aktuell verhandelt Henkell-Freixenet über den Mehrheitseinstieg beim angeschlagenen französischen Champagnerhaus Maison Pommery.
Backzutaten und Hotels wachsen
Die Martin-Braun-Gruppe, die Backzutaten herstellt, steigerte den Umsatz um 4,5 Prozent auf 747 Millionen Euro. Grund war die Übernahme des US-Unternehmens Hoff’s Bakery im Februar 2025.
Die Spezialchemiesparte Budenheim musste dagegen ein Minus von 4,6 Prozent auf 412 Millionen Euro hinnehmen. Die Absatzmengen waren in fast allen Anwendungsfeldern rückläufig. In Europa belastete eine schwache Nachfrage, während die bessere Nachfrage in Nordamerika durch Wechselkurseffekte und Zollaufwendungen aufgezehrt wurde.
Die Hotelsparte wuchs um 1,3 Prozent auf 141 Millionen Euro. Im März 2026 eröffnete mit dem Vineta in Palm Beach das erste Hotel der Gruppe in den USA.
Die kleinste Sparte „weitere Interessen“ legte um acht Prozent auf 19 Millionen Euro zu, getragen von der US-Immobiliengesellschaft Columbus Properties. Dazu zählen auch Oetker Ventures und die Kunstsammlung Rudolf-August Oetker.
Zum Gewinn äußerten sich die Eigentümer nicht. Für das laufende Jahr erwartet die Oetker Collection angesichts der unsicheren geopolitischen und wirtschaftlichen Lage nur einen moderaten Umsatzanstieg.



