Der Berliner Tierpark hat eine umstrittene Praxis beendet: Pelikane und Flamingos können jetzt in einem neuen Gehege in Lichtenberg abheben. Bisher wurden den Wasservögeln die Flügel beschnitten, um sie am Wegfliegen zu hindern. Tierschützer hatten dies scharf kritisiert. Dank einer neuen Netzvoliere ist dieser Eingriff nun nicht mehr nötig.
Neue Freiheit für Pelikane und Flamingos
Am 9. Juni 2026 wurde im Berliner Tierpark eine neue Netzvoliere eingeweiht. Die beiden großen Kunststoffnetze, die über die Gehege gespannt sind, ermöglichen den Vögeln theoretisch das Fliegen. Bisher gab es diese Netze nicht, und die Schwungfedern der Pelikane und Flamingos wurden regelmäßig gestutzt, was sie nahezu flugunfähig machte. Tierschützer hatten diese Praxis seit Langem kritisiert.
Der Tierpark verzichtet nun bei diesen beiden Vogelarten auf das Flügelstutzen. Die bis zu zehn Meter hohen Netze machen dies überflüssig. Laut Tierpark werden die Haltungsbedingungen der Vögel dadurch erweitert und stärker an ihre natürlichen Bedürfnisse angepasst.
Vorteile für Tiere und Besucher
Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem erklärte, die neue Anlage biete einen weiteren Vorteil: Mit der Voliere können auch neue Wasservögel in die Gehege einziehen. Bei den Pelikanen sollen verschiedene Gänsearten wie die Große Schneegans und die Riesenkanadagans dazukommen. Bei den Flamingos sollen Chilekrickenten und Orinokogänse einziehen.
Für Besucher bringt die neue Anlage ebenfalls Vorteile. Die Pelikananlage lässt sich durch eine Schleuse betreten, sodass Besucher künftig näher an die Tiere herankommen und sie beispielsweise bei der Fütterung beobachten können.
Dauerhafte Genehmigungsfähigkeit
Laut Knieriem war der Umbau auch eine Maßnahme, um die Anlage „dauerhaft genehmigungsfähig“ zu machen. Das Stutzen der Flügel bei Vögeln ist umstritten und wird von Behörden oftmals nur geduldet. Die Lichtenberger Bezirksverordnete der Tierschutzpartei, Katja Michel, erklärte auf Anfrage, der Verzicht auf das Flügelstutzen sei „eine große Verbesserung der Lebensqualität der Tiere“. Allerdings könne auch eine Netzvoliere kein Leben in Freiheit und im natürlichen Umfeld bieten.
Die Vögel werden nicht sofort losfliegen können. Bis ihre Schwungfedern nachwachsen und sie den Impuls verspüren, fliegen zu wollen, kann es noch etwas dauern, so der Tierparkdirektor.
Kosten und Finanzierung
Der Umbau der beiden Anlagen kostete 1,75 Millionen Euro und war damit deutlich teurer als ursprünglich geplant. Finanziert wurde der Umbau größtenteils aus Mitteln eines ehemaligen DDR-Vermögens (PMO-Vermögen), das vom Senat für gemeinnützige Maßnahmen im Ostteil der Stadt verteilt wird.



