Knapp 4700 Meldungen über Mietwucher-App der Linken
Seit Ende 2024 haben rund 4700 Berliner Haushalte ihre mutmaßlich überhöhte Miete über die sogenannte „Mietwucher-App“ der Partei Die Linke bei den Behörden gemeldet. Das geht aus einer exklusiven Auswertung der Partei hervor, die dem Tagesspiegel vorliegt. Die App ermöglicht Mietern, ihre aktuelle Miete mit den gesetzlich zulässigen Höchstgrenzen zu vergleichen und bei Verdacht auf Verstoß direkt eine Anzeige bei den zuständigen Ämtern zu erstatten.
259 Millionen Euro zu viel gezahlt
Die Linke hat aus den App-Daten hochgerechnet, dass allein die Nutzer der App bislang insgesamt 259 Millionen Euro zu viel an ihre Vermieter gezahlt haben. „Das ist ein atemberaubendes Ausmaß an dreister Abzocke“, sagte die Berliner Linke-Sprecherin für Mietpolitik, Katalin Gennburg. „Die Mietpreisbremse wird systematisch umgangen, und die Behörden müssen endlich konsequent handeln.“ Die Zahl verdeutliche die massive Belastung der Berliner Mieter durch überhöhte Mieten.
Bezirke mit den meisten Meldungen
Die meisten Meldungen über die App kamen aus den Bezirken Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln und Mitte. In diesen Stadtteilen sind die Mieten in den vergangenen Jahren besonders stark gestiegen. Allein in Friedrichshain-Kreuzberg wurden über 800 Fälle registriert. Die Linke fordert eine personelle Aufstockung der zuständigen Ämter, um die Bearbeitung der Anzeigen zu beschleunigen. Bislang würden viele Verfahren aufgrund von Personalmangel eingestellt.
App als Werkzeug gegen Mietwucher
Die App wurde von der Berliner Linken entwickelt und im Dezember 2024 gestartet. Sie richtet sich an Mieter, die vermuten, dass ihre Miete die gesetzlichen Obergrenzen der Mietpreisbremse überschreitet. Die App berechnet anhand von Adresse, Wohnungsgröße und Baujahr die maximal zulässige Miete und leitet bei Überschreitung eine automatisierte Meldung an die Bezirksämter weiter. Die Partei betont, dass die App anonym genutzt werden kann.
Reaktionen und Ausblick
Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen kündigte an, die Meldungen aus der App ernst zu nehmen und die Prüfkapazitäten zu erhöhen. Allerdings fehle es an Personal, um die Flut an Anzeigen zeitnah zu bearbeiten. Die Linke kritisiert, dass die Mietpreisbremse ohne wirksame Kontrollen wirkungslos bleibe. „Wir brauchen mehr Personal in den Ämtern und eine Verschärfung der Mietpreisbremse“, so Gennburg. Die App werde weiterhin als Instrument genutzt, um Druck auf Vermieter und Politik auszuüben.



