Trotz steigender Umsätze geben Verbraucher in Deutschland weiterhin deutlich weniger für fair gehandelte Produkte aus als Menschen in vergleichbaren Nachbarländern. Das geht aus einer aktuellen Bilanz des Forums Fairer Handel (FFH) hervor.
Durchschnittsausgaben im Ländervergleich
Im Jahr 2025 zahlten die Deutschen im Schnitt 33 Euro für fair gehandelte Lebensmittel, Textilien und Handwerksprodukte – ein leichter Anstieg gegenüber 31 Euro im Vorjahr. In der Schweiz lagen die Pro-Kopf-Ausgaben dagegen bei umgerechnet rund 129 Euro, in Österreich bei 88 Euro und in Frankreich bei 47 Euro. „Die Schere zu unseren Nachbarn ist immer noch groß“, kommentierte ein FFH-Sprecher die Zahlen.
Gesamtumsatz steigt auf Rekordniveau
Der Gesamtumsatz mit fair gehandelten Produkten in Deutschland kletterte um 4,7 Prozent auf einen neuen Höchstwert von 2,7 Milliarden Euro. Besonders die auf faire Produkte spezialisierten Weltläden konnten ihre Umsätze um zehn Prozent steigern. „Das zeigt, dass das Bewusstsein für fairen Handel wächst, aber die Kaufkraft noch nicht überall ankommt“, so der Sprecher.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden
Anfang Mai hatte bereits der Verein Fairtrade Deutschland eine eigene Bilanz für 2025 vorgelegt. Demnach gaben Verbraucher hierzulande sogar rund 3,15 Milliarden Euro für fair gehandelte Produkte aus, mit durchschnittlichen Ausgaben von 36 Euro. Der Unterschied erklärt sich durch die unterschiedliche Erfassung: Fairtrade Deutschland bezieht auch Produkte ein, bei denen nur ein einzelner Rohstoff wie Kakao zu fairen Bedingungen eingekauft wurde, während das FFH strengere Kriterien anlegt.
Branche zieht gemischte Bilanz
Die Branche zeigt sich insgesamt zufrieden mit der Entwicklung, sieht aber weiterhin Nachholbedarf. „Die Umsätze steigen, aber der Abstand zu Ländern wie Österreich oder der Schweiz ist ein klares Signal, dass noch mehr Aufklärungsarbeit nötig ist“, betonte der FFH-Sprecher. Besonders bei jüngeren Verbrauchern sei das Interesse an fairen Produkten jedoch deutlich gestiegen.



