Forgotten Baby Syndrome: So verhindern Eltern das Vergessen im Auto
Forgotten Baby Syndrome: So schützen Sie Ihr Kind

Forgotten Baby Syndrome: Wenn das Gehirn eine falsche Realität vorgaukelt

Jedes Jahr kommt es zu tragischen Fällen, in denen Kinder in heißen Autos zurückgelassen werden. In Schorndorf (Baden-Württemberg) starb ein 20 Monate altes Mädchen, nachdem ihre Mutter es bei 28 Grad im Schatten vergessen hatte. Die 44-Jährige kehrte zu spät zurück. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Eine Obduktion soll klären, ob die Hitze tatsächlich die Todesursache war.

Was steckt hinter dem Vergessen?

Prof. Dr. Peter Walschburger, Biopsychologe aus Berlin, betont: „Eine bewusste Vernachlässigung ist die Ausnahme. Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind ist psychologisch höchst unwahrscheinlich.“ Doch wie kann es dann passieren, dass Eltern ihr Kind im Auto vergessen?

Normalerweise schützt die tiefe biopsychologische Bindung zwischen Mutter und Kleinkind vor solchen Vorfällen. Das sogenannte Kindchenschema löst instinktive Fürsorge aus. Ein natürliches Belohnungs- und Alarmsystem sorgt dafür, dass der Nachwuchs geschützt wird. Doch in seltenen Fällen versagt dieses System.

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Der Zeigarnik-Effekt und seine Tücken

Walschburger erklärt: „Normalerweise löst ein Kind im Auto einen Zeigarnik-Spannungseffekt aus – eine innere Anspannung bei unerledigten Aufgaben, die dafür sorgt, dass diese im Gedächtnis bleiben.“ Doch bei Überforderung, Schlafmangel und Stress kann die Erinnerungsleistung eingeschränkt sein. Man wird fahrig und lässt sich ablenken.

Der US-Psychologe Prof. Dr. David Diamond prägte den Begriff „Forgotten Baby Syndrome“. Er fand heraus, dass Routineänderungen das Gewohnheitssystem überlagern können. Im Alltag handeln wir oft im Autopilot-Modus. Weicht die Routine ab, etwa weil die Kita ausfällt, kann das schlafende Kind auf dem Rücksitz vergessen werden.

Eine tragische Fehlfunktion des Gehirns

Diamond betont, dass dies nichts mit mangelnder Liebe zu tun habe, sondern eine Fehlfunktion des Gehirns sei, die eine illusorische Erinnerung erschaffe. Betroffene Eltern seien felsenfest überzeugt, das Kind abgesetzt zu haben. Walschburger ergänzt: „Wer mental erschöpft ist, verlässt sich stärker auf Automatismen – genau dort lauert die Gefahr.“

So verhindern Sie das Vergessen

Experten empfehlen folgende Maßnahmen, um das Kind auf dem Rücksitz nicht zu vergessen:

  • Spielzeug oder Wickeltasche auf den Beifahrersitz legen, um an das Kind zu erinnern.
  • Handtasche, Handy oder andere wichtige Gegenstände auf der Rückbank platzieren, sodass Sie beim Aussteigen nach hinten schauen müssen.

Diese einfachen Routinen können helfen, die tragische Fehlfunktion des Gehirns zu umgehen.

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