Funke Mediengruppe 6aus49, Eurojackpot & Co.: Welche Lotterie passt zu Ihnen?
Die Wahl der richtigen Lotterie hängt stark von der persönlichen Risikobereitschaft ab. Datenexpertin Katharina Schüller warnt vor „verzerrten Entscheidungen“ und erklärt, warum der Spielertyp entscheidend ist.
Lotto ist ein Unterhaltungsprodukt. Von jedem eingesetzten Euro fließen statistisch weniger als 50 Cent als Gewinne an die Spieler zurück. Die Datenwissenschaftlerin Katharina Schüller beschreibt die finanzielle Ausgabe als „freiwillige Sondersteuer“ zugunsten des Staates. Dass Menschen trotzdem spielen, ist psychologisch und evolutionär erklärbar. Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, schnelle Entscheidungen unter Unsicherheit zu treffen. „Wir entscheiden nach dem, was wir uns vorstellen können, nicht nach dem, was wahrscheinlich ist“, sagt Schüller.
Entscheidungsforscher unterscheiden beim Lotto daher grob zwischen zwei Spielertypen: Menschen mit hoher Risikobereitschaft und solchen, die eher auf Stabilität setzen. Hier zeigt sich auch, welche Lotterie am besten zu einem Spielertyp passen könnte.
Radikaler Reiz mit Eurojackpot & Co.: „Kleine, aber reale Chance“?
Für diesen Spielertyp ist Lotto vor allem die Fantasie einer radikalen Lebensveränderung. „Der Reiz des Jackpots ist vor allem der Reiz der Transformation“, sagt Schüller. Der Gewinn verspricht einen Statussprung, finanzielle Freiheit, Sicherheit und ein völlig anderes Leben. Der mögliche Verlust wirkt dagegen klein und kontrollierbar: ein paar Euro pro Woche.
Die Expertin Katharina Schüller zählt zu den bekanntesten Datenwissenschaftlerinnen Deutschlands. Als Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens Stat-Up beraten sie und ihr Team internationale Unternehmen und Bundesbehörden zu datenbasierten Entscheidungen, Künstlicher Intelligenz und Statistik. In Vorträgen, Workshops und Veröffentlichungen („Daten sind Macht“) beschäftigt sich Schüller vor allem mit Entscheidungslogik, Risikowahrnehmung, Datenkompetenz und dem Umgang mit Unsicherheit.
Paradoxerweise greifen laut Schüller gerade Menschen, die im Alltag eher Sicherheit bevorzugen, beim Lotto oft zum maximalen Jackpot. Der überschaubare Verlust erscheint beherrschbar, der mögliche Gewinn emotional grenzenlos. Jackpot-orientierte Spieler maximieren den möglichen Gewinn und akzeptieren dafür extrem schlechte Wahrscheinlichkeiten. Ein Professor verrät die beste Strategie beim Eurojackpot.
Auf diesen Spielertyp wirkt der Eurojackpot mit seinen dreistelligen Millionensummen besonders attraktiv. Die Gewinnchance von rund 1 zu 140 Millionen nimmt er nicht als „nahezu unmöglich“ wahr, sondern als „kleine, aber reale Chance“. Dieses Phänomen beschreibt die Prospekt- oder Neue Erwartung-Theorie aus der Psychologie: Menschen legen darin systematisch ein zu hohes Gewicht auf sehr kleine Wahrscheinlichkeiten – vor allem, wenn das mögliche Ergebnis emotional aufgeladen ist.
Die Spieler bewerten solche Gewinne dabei emotional. Der mögliche Jackpot erzeugt konkrete Bilder: das Haus am Meer, die Weltreise oder die Kündigung des Jobs. Daraus entsteht die enorme Anziehungskraft großer Jackpots. Die mediale Aufmerksamkeit verstärkt den Effekt: Gewinnergeschichten sind sichtbarer als Millionen erfolglose Tipps. Diese Verfügbarkeitsverzerrung sorgt dafür, dass bei außergewöhnlich hohen Jackpots besonders viele Menschen einsteigen.
Lotto 6aus49: Mehr kleine Gewinne, weniger große Träume
Der zweite Spielertyp sucht eher regelmäßige Erfolgserlebnisse als die große Transformation. Für ihn sind mehrere kleinere Gewinne wichtiger als die maximale Gewinnsumme. Der subjektive Nutzen entsteht aus dem Gefühl, häufiger richtig gelegen zu haben. Deshalb wirkt Lotto 6aus49 auf diesen Spieler attraktiver als der Eurojackpot. Die Maximal-Jackpots fallen niedriger aus, dafür sind die Chancen in den anderen Gewinnklassen besser. Auch Systeme mit breiter Zahlenabdeckung sprechen diesen Typ eher an.
Psychologisch geht es dabei um positive Rückkopplungen: Kleine Gewinne erzeugen Bestätigung und wirken weniger frustrierend als eine komplette Erfolglosigkeit über Jahre. Schüller betont allerdings: „Weder Streuung noch Konzentration verbessern den Erwartungswert – der bleibt negativ.“ Die Strategie verändert nur das subjektive Erlebnis, die Mathematik des Spiels bleibt gleich.
Tippgemeinschaften und soziale Spieler: Die vernünftige Mitte
Eine Sonderrolle nehmen Tippgemeinschaften ein: „Als hybride Risikotypen würde ich Tippgemeinschaftsspieler sehen“, sagt Schüller. Sie bündeln Einsätze wie Frequenz-Orientierte, träumen aber gemeinsam vom großen Jackpot. Der eigentliche Mehrwert liegt dabei oft nicht im möglichen Gewinn, sondern im sozialen Ritual: gemeinsam tippen, Ergebnisse verfolgen und über mögliche Gewinne fantasieren. „Das ist ein eigenständiger Wert“, sagt Schüller.
Sie hält Tippgemeinschaften deshalb für die rationalste Form des Lottospiels. Hier existiert neben der theoretischen Gewinnchance zumindest ein realer Gegenwert – im Gemeinschaftserlebnis.
Welche Lotterie? Datenexpertin gibt entscheidenden Tipp
Unabhängig vom Spielertyp erklärt Schüller: Eine saubere Entscheidung beim Lotto basiert nicht auf Mythen, sondern auf Fakten. „Eine verzerrte Entscheidung beruht oft auf impliziten Annahmen – etwa der Überzeugung, dass bestimmte Zahlen fällig sind oder Systeme die Chancen verbessern“, erklärt Schüller. Dabei erhöhen weder Glückszahlen noch bestimmte Muster die Gewinnchance.
Ein vernünftiger Umgang mit Lotto beginnt laut Schüller mit einem „expliziten Framing“: Lotto ist Unterhaltung, kein Investment. Wer mit wenigen Euro pro Woche bewusst Spannung, Träume oder Unterhaltung kauft, handelt aus ihrer Sicht durchaus rational. „Problematisch wird es erst, wenn subjektiver Nutzen mit objektivem Gewinnpotenzial verwechselt wird“, so die Datenwissenschaftlerin.
Welche Lotterie mathematisch am besten ist, lässt sich kaum beantworten. Wichtiger ist die Frage: Kaufen Spieler mit dem Lottoschein den Traum vom Statussprung, das kleine Erfolgserlebnis oder das soziale Ritual? Solange sie verstehen, dass der langfristige Preis für dieses Spiel statistisch etwa die Hälfte ihres Einsatzes oder sogar mehr beträgt, bleibt die Entscheidung zumindest selbstbestimmt.
Glücksspiel: Wichtige Hinweise
Lotto und andere Glücksspiele dürfen in Deutschland erst ab 18 Jahren gespielt werden. Das gilt sowohl für stationäres als auch für Online-Glücksspiel. Personen unter 18 Jahren dürfen keine Rubbellose kaufen und keine Gewinne abholen. Das gilt auch dann, wenn sie eine Kundenkarte oder eine Vollmacht der Eltern oder Erziehungsberechtigten vorlegen können.
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informiert umfassend über Glücksspielsucht und das Suchtpotenzial verschiedener Glücksspiele. Unter dem Angebot „Check dein Spiel“ finden Sie einen kostenlosen Selbsttest zum eigenen Spielverhalten sowie Beratungs- und Hilfsangebote. Wenn Sie bei sich selbst oder jemand anderem eine Spielsucht vermuten oder eine Beratung in Anspruch nehmen wollen, hilft die BZgA bundesweit unter der anonymen und kostenlosen Hotline „Glücksspielsucht“: 0800 1 37 27 00.



